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Wenn das Kind in der Grundausbildung Heimweh hat: Was Eltern tun können
Familie & Beziehung
Körper und Kopf
Gez.



Daniel, Levin & Afsal
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Daniel, Levin & Afsal


Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Einordnung
Dieser Artikel gehört zum Thema Familie & Beziehung der Soldateninitiative.
Er richtet sich an Eltern, deren Kind während der Grundausbildung Heimweh hat oder sich in den ersten Tagen deutlich belastet fühlt. Sie erfahren, wie Sie normales Heimweh einordnen, sinnvoll reagieren und erkennen, wann zusätzliche Unterstützung vor Ort notwendig ist.
Ihr Kind ist erst seit wenigen Tagen bei der Bundeswehr und am Telefon klingt plötzlich alles anders als vor dem Dienstantritt. Die Stimme ist müde, zuhause wird vermisst und vielleicht fällt sogar ein Satz wie: „Ich weiß gerade nicht, ob ich das schaffe.“
Für Eltern ist das schwer auszuhalten. Sie hören, dass es Ihrem Kind nicht gut geht, können die Situation vor Ort aber kaum einschätzen. Der erste Impuls lautet deshalb häufig: trösten, sofort eine Lösung finden oder das Kind am liebsten wieder nach Hause holen.
Bei normalem Heimweh ist eine andere Reaktion meistens hilfreicher. Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst, bleiben Sie ruhig und helfen Sie dabei, den nächsten überschaubaren Schritt zu sehen. Ein schwieriger Abend ist noch keine Entscheidung über die gesamte Grundausbildung.
Heimweh kann gerade am Anfang auftreten, weil sich innerhalb weniger Tage fast der gesamte Alltag verändert. Ihr Kind lebt in einer neuen Umgebung, teilt die Unterkunft mit anderen Menschen, muss sich an militärische Abläufe gewöhnen und verarbeitet gleichzeitig viele neue Informationen.
Seit 2026 heißt die weiterentwickelte Grundausbildung offiziell Heimatschutzausbildung Streitkräfte. Sie dauert grundsätzlich drei Monate und umfasst rund 500 Ausbildungsstunden. Das ist eine intensive Umstellung.
Heimweh allein bedeutet deshalb weder, dass Ihr Kind ungeeignet ist, noch dass die Entscheidung für die Bundeswehr falsch war. Gleichzeitig sollten Sie nicht jedes Problem als normales Heimweh abtun.
Wenn Ihr Kind über längere Zeit stark belastet wirkt, kaum noch schlafen oder essen kann, konkrete gesundheitliche Beschwerden hat, von einer schweren psychischen Krise berichtet oder sich selbst gefährden könnte, braucht es professionelle Unterstützung vor Ort.
Wenn Sie zuerst verstehen wollen, wie Kommunikation in dieser Phase funktioniert, lesen Sie diesen Artikel:
Kontakt während der Grundausbildung: Was Eltern erwarten können
Wenn Sie wissen wollen, wie Sie grundsätzliche Sorgen rund um den Bundeswehrstart Ihres Kindes einordnen können, passt dieser Artikel:
Sorgen vor der Bundeswehr: Was Eltern realistisch einordnen sollten
Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Einordnung
Dieser Artikel gehört zum Thema Familie & Beziehung der Soldateninitiative.
Er richtet sich an Eltern, deren Kind während der Grundausbildung Heimweh hat oder sich in den ersten Tagen deutlich belastet fühlt. Sie erfahren, wie Sie normales Heimweh einordnen, sinnvoll reagieren und erkennen, wann zusätzliche Unterstützung vor Ort notwendig ist.
Ihr Kind ist erst seit wenigen Tagen bei der Bundeswehr und am Telefon klingt plötzlich alles anders als vor dem Dienstantritt. Die Stimme ist müde, zuhause wird vermisst und vielleicht fällt sogar ein Satz wie: „Ich weiß gerade nicht, ob ich das schaffe.“
Für Eltern ist das schwer auszuhalten. Sie hören, dass es Ihrem Kind nicht gut geht, können die Situation vor Ort aber kaum einschätzen. Der erste Impuls lautet deshalb häufig: trösten, sofort eine Lösung finden oder das Kind am liebsten wieder nach Hause holen.
Bei normalem Heimweh ist eine andere Reaktion meistens hilfreicher. Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst, bleiben Sie ruhig und helfen Sie dabei, den nächsten überschaubaren Schritt zu sehen. Ein schwieriger Abend ist noch keine Entscheidung über die gesamte Grundausbildung.
Heimweh kann gerade am Anfang auftreten, weil sich innerhalb weniger Tage fast der gesamte Alltag verändert. Ihr Kind lebt in einer neuen Umgebung, teilt die Unterkunft mit anderen Menschen, muss sich an militärische Abläufe gewöhnen und verarbeitet gleichzeitig viele neue Informationen.
Seit 2026 heißt die weiterentwickelte Grundausbildung offiziell Heimatschutzausbildung Streitkräfte. Sie dauert grundsätzlich drei Monate und umfasst rund 500 Ausbildungsstunden. Das ist eine intensive Umstellung.
Heimweh allein bedeutet deshalb weder, dass Ihr Kind ungeeignet ist, noch dass die Entscheidung für die Bundeswehr falsch war. Gleichzeitig sollten Sie nicht jedes Problem als normales Heimweh abtun.
Wenn Ihr Kind über längere Zeit stark belastet wirkt, kaum noch schlafen oder essen kann, konkrete gesundheitliche Beschwerden hat, von einer schweren psychischen Krise berichtet oder sich selbst gefährden könnte, braucht es professionelle Unterstützung vor Ort.
Wenn Sie zuerst verstehen wollen, wie Kommunikation in dieser Phase funktioniert, lesen Sie diesen Artikel:
Kontakt während der Grundausbildung: Was Eltern erwarten können
Wenn Sie wissen wollen, wie Sie grundsätzliche Sorgen rund um den Bundeswehrstart Ihres Kindes einordnen können, passt dieser Artikel:
Sorgen vor der Bundeswehr: Was Eltern realistisch einordnen sollten
[ Kurz gesagt ]
Wenn Ihr Kind während der Grundausbildung Heimweh hat, müssen Sie das Gefühl weder kleinreden noch sofort eine Grundsatzentscheidung daraus machen.
Hören Sie zunächst zu und fragen Sie konkret, was gerade schwerfällt. Geht es tatsächlich vor allem um das Vermissen von zuhause oder kommen Schlafmangel, körperliche Erschöpfung, Konflikte auf der Stube, gesundheitliche Beschwerden oder ein konkretes Erlebnis hinzu?
Bei normalem Heimweh hilft häufig ein kleinerer Blick auf die Situation. Nicht die nächsten drei Monate müssen heute Abend geschafft werden, sondern zunächst der nächste Morgen und der nächste Ausbildungstag.
Vermeiden Sie deshalb vorschnelle Sätze wie „Dann komm einfach nach Hause“. Vermitteln Sie besser: „Wir hören dir zu, zu Hause ist alles in Ordnung und du musst heute Abend noch keine große Entscheidung treffen.“
Entscheidend ist die Haltung dahinter: Sie sind erreichbar, ohne aus jedem schwierigen Abend eine Krise zu machen.
Wenn die Belastung stärker wird oder anhält, sollte Ihr Kind Unterstützung vor Ort nutzen. Dafür stehen innerhalb der Bundeswehr verschiedene Wege zur Verfügung, darunter Sanitätsdienst, Psychologischer Dienst, Sozialdienst und Militärseelsorge. Abhängig von der Situation können auch Vorgesetzte und weitere Ansprechpersonen wichtig sein.
[ Kurz gesagt ]
Wenn Ihr Kind während der Grundausbildung Heimweh hat, müssen Sie das Gefühl weder kleinreden noch sofort eine Grundsatzentscheidung daraus machen.
Hören Sie zunächst zu und fragen Sie konkret, was gerade schwerfällt. Geht es tatsächlich vor allem um das Vermissen von zuhause oder kommen Schlafmangel, körperliche Erschöpfung, Konflikte auf der Stube, gesundheitliche Beschwerden oder ein konkretes Erlebnis hinzu?
Bei normalem Heimweh hilft häufig ein kleinerer Blick auf die Situation. Nicht die nächsten drei Monate müssen heute Abend geschafft werden, sondern zunächst der nächste Morgen und der nächste Ausbildungstag.
Vermeiden Sie deshalb vorschnelle Sätze wie „Dann komm einfach nach Hause“. Vermitteln Sie besser: „Wir hören dir zu, zu Hause ist alles in Ordnung und du musst heute Abend noch keine große Entscheidung treffen.“
Entscheidend ist die Haltung dahinter: Sie sind erreichbar, ohne aus jedem schwierigen Abend eine Krise zu machen.
Wenn die Belastung stärker wird oder anhält, sollte Ihr Kind Unterstützung vor Ort nutzen. Dafür stehen innerhalb der Bundeswehr verschiedene Wege zur Verfügung, darunter Sanitätsdienst, Psychologischer Dienst, Sozialdienst und Militärseelsorge. Abhängig von der Situation können auch Vorgesetzte und weitere Ansprechpersonen wichtig sein.
[ Inhalt ]
01
Warum Heimweh gerade am Anfang auftreten kann
02
Heimweh ist nicht automatisch ein Zeichen für eine falsche Entscheidung
03
Hören Sie zuerst heraus, was Ihr Kind eigentlich meint
04
Ein erschöpftes Telefonat ist nur ein Ausschnitt des Tages
05
Geben Sie dem Gefühl Raum, ohne es größer zu machen
06
Warum „Dann komm doch einfach nach Hause“ meistens zu früh kommt
07
Helfen Sie Ihrem Kind, den Zeitraum kleiner zu machen
08
Erinnern Sie an die einfachen Grundlagen
09
Kameradschaft kann beim Ankommen helfen
10
Unterstützen Sie, ohne die Situation aus der Ferne zu übernehmen
11
Welche Unterstützung es bei der Bundeswehr gibt
12
Wann aus Heimweh ein gesundheitliches Thema werden kann
13
Bei Aussagen über Selbstgefährdung zählt sofortiges Handeln
14
Nehmen Sie auch konkrete Vorfälle ernst
15
Schreiben Sie Nachrichten, die Halt geben
16
Telefonieren Sie nicht jedes Problem größer
17
Kontakt darf helfen, sollte aber keine Pflicht werden
18
Das erste Wochenende zuhause kann emotional werden
19
Verwandeln Sie Sonntagabend nicht in einen zweiten Abschied
20
Wenn Ihr Kind nach jedem Wochenende stärkeres Heimweh bekommt
21
Machen Sie die Grundausbildung nicht zum einzigen Gesprächsthema
22
Was Sie konkret tun können, wenn heute Abend der Anruf kommt
23
Fazit
Häufige Fragen
Quellen zum Nachlesen
1. Warum Heimweh gerade am Anfang auftreten kann
Der Schritt von zuhause in die Kaserne ist größer, als viele junge Menschen vorher erwarten.
Bis zum Dienstantritt ist vieles vertraut. Das eigene Zimmer, Familie, Freunde, Partnerin oder Partner, Essen, Schlafrhythmus und Freizeit gehören zu einem Alltag, über den kaum nachgedacht werden muss.
Dann verändert sich innerhalb kurzer Zeit sehr viel. Ihr Kind kommt an einen neuen Standort und lebt mit Menschen zusammen, die es vorher nicht kannte. Gleichzeitig muss es militärische Abläufe lernen, mit neuer Ausrüstung umgehen, pünktlich sein, zuhören, sich in eine Gruppe einfügen und jeden Tag zahlreiche neue Informationen verarbeiten.
Die heutige Heimatschutzausbildung umfasst unter anderem Gefechtsdienst, Schießausbildung, ABC-Abwehr, Sanitätsausbildung, Sport, militärische Sicherheit und Wachdienst sowie Cyber Awareness. Die Bundeswehr beschreibt die ersten Monate selbst als intensive Zeit.
Gerade abends, wenn der Diensttag vorbei ist und erstmals Ruhe entsteht, können die Gedanken deshalb stärker nach Hause wandern. Das ist zunächst eine nachvollziehbare Reaktion auf eine große Veränderung.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind meldet sich am dritten Abend und sagt, dass ihm sein eigenes Zimmer, das Essen zuhause und die vertraute Ruhe fehlen.
Das muss noch kein Zeichen für eine Fehlentscheidung sein. In den ersten Tagen prallen sehr viele neue Eindrücke aufeinander, und gerade am Abend wird der Unterschied zum bisherigen Alltag besonders spürbar.
2. Heimweh ist nicht automatisch ein Zeichen für eine falsche Entscheidung
Dieser Punkt ist für Eltern besonders wichtig. Wenn Ihr Kind sagt, dass es zuhause vermisst, müssen Sie daraus nicht sofort schließen, dass die Bundeswehr nicht zu ihm passt.
Menschen können etwas freiwillig gewählt haben und die Umstellung trotzdem schwierig finden. Ihr Kind kann sich auf die Bundeswehr gefreut haben und gleichzeitig am dritten Abend sein eigenes Bett vermissen.
Es kann motiviert sein und trotzdem nach einem anstrengenden Ausbildungstag traurig werden. Es kann die Kameradschaft mögen und trotzdem seine Familie vermissen. Diese Gefühle widersprechen sich nicht.
Entscheidend ist vielmehr, wie sich die Situation entwickelt. Wird Ihr Kind nach einigen Tagen sicherer, findet Anschluss und lernt den neuen Alltag kennen, spricht vieles für eine normale Anpassungsphase.
Bleibt die Belastung dagegen stark oder verschlechtert sich der Zustand deutlich, sollte genauer hingeschaut werden.
3. Hören Sie zuerst heraus, was Ihr Kind eigentlich meint
„Ich habe Heimweh“ kann sehr unterschiedliche Dinge bedeuten. Vielleicht fehlt tatsächlich vor allem zuhause. Vielleicht steckt aber etwas anderes dahinter.
Fragen Sie deshalb ruhig nach, was heute besonders schwer war. Fragen Sie, ob Ihr Kind ausreichend gegessen und geschlafen hat, ob es auf der Stube Anschluss findet und ob ein konkretes Ereignis passiert ist.
Sie müssen daraus kein Verhör machen. Zwei oder drei ruhige Fragen reichen häufig aus, um besser zu verstehen, worum es eigentlich geht.
Wenn Ihr Kind sagt: „Es ist einfach alles neu und ich vermisse euch“, ist das eine andere Situation als: „Ich habe seit Tagen kaum geschlafen, bekomme starke Angst und weiß nicht mehr weiter.“
Beides verdient Aufmerksamkeit. Aber nicht beides verlangt dieselbe Reaktion.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt am Telefon zunächst nur: „Ich will gerade einfach nach Hause.“
Wenn Sie ruhig nachfragen, stellt sich vielleicht heraus, dass der Tag besonders lang war, es kaum geschlafen hat und auf der Stube noch niemanden richtig kennt. Dann wissen Sie deutlich besser, woran Sie gemeinsam ansetzen können.
4. Ein erschöpftes Telefonat ist nur ein Ausschnitt des Tages
Eltern erleben die Grundausbildung häufig durch wenige Minuten am Telefon. Ihr Kind hatte vielleicht einen langen Tag und ruft genau in dem Moment an, in dem die Energie am niedrigsten ist. Sie hören dann Müdigkeit, Frust und Heimweh.
Was Sie nicht gesehen haben, sind möglicherweise die anderen Stunden des Tages. Vielleicht hat Ihr Kind mit den Kameradinnen und Kameraden gelacht, eine neue Aufgabe geschafft, beim Sport Fortschritte gemacht oder sich bereits besser zurechtgefunden.
Das bedeutet nicht, dass Sie eine traurige Stimme ignorieren sollten. Es bedeutet lediglich, dass ein Telefonat am Ende eines anstrengenden Tages nicht automatisch den gesamten Zustand Ihres Kindes abbildet.
Fragen Sie deshalb lieber: „War heute insgesamt ein schlechter Tag oder ist es gerade jetzt am Abend besonders schwer?“
Diese Unterscheidung kann viel verändern.
5. Geben Sie dem Gefühl Raum, ohne es größer zu machen
Ein hilfreicher Satz beginnt nicht mit einer Lösung. Er beginnt mit Verständnis.
Sie können Ihrem Kind sagen, dass Sie nachvollziehen können, warum die ersten Tage ungewohnt sind und dass es in Ordnung ist, zuhause zu vermissen. Danach richten Sie den Blick nach vorn.
Was steht morgen als Nächstes an? Was kann heute noch vorbereitet werden? Gibt es jemanden auf der Stube, mit dem Ihr Kind sprechen kann? Braucht es jetzt vielleicht einfach Schlaf?
So bekommt das Gefühl Raum, ohne dass daraus sofort eine Entscheidung über die gesamte Dienstzeit entsteht. Das ist der Unterschied zwischen Ernstnehmen und Verstärken.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt: „Ich vermisse euch gerade total.“
Eine hilfreiche Antwort kann sein: „Das glaube ich dir. Du musst heute Abend noch keine große Entscheidung treffen. Mach dich für morgen fertig, versuch etwas zu schlafen und schau, wie es dir morgen geht.“
6. Warum „Dann komm doch einfach nach Hause“ meistens zu früh kommt
Der Satz ist verständlich. Sie möchten Ihrem Kind zeigen, dass es jederzeit einen sicheren Ort bei Ihnen hat.
In einem Moment normalen Heimwehs kann „Dann komm doch nach Hause“ trotzdem zusätzlichen Druck erzeugen. Plötzlich geht es nicht mehr darum, einen schwierigen Abend zu überstehen. Ihr Kind steht stattdessen vor der Frage, ob es die gesamte Grundausbildung fortsetzen oder abbrechen soll.
Diese Entscheidung ist in einem erschöpften Moment häufig viel zu groß. Sagen Sie lieber, dass Sie da sind und morgen weitergeschaut werden kann.
Wenn Ihr Kind tatsächlich ernsthaft darüber nachdenkt, den Dienst zu beenden, kann dieses Thema selbstverständlich besprochen werden. Es sollte aber möglichst nicht aus einem einzelnen schwierigen Abend heraus entschieden werden.
Erst stabilisieren, dann verstehen, dann entscheiden.
7. Helfen Sie Ihrem Kind, den Zeitraum kleiner zu machen
Drei Monate können in einer schwierigen ersten Woche unglaublich lang wirken. Deshalb hilft es häufig nicht, zu sagen: „Die Grundausbildung geht doch schnell vorbei.“
Für jemanden, der gerade am dritten Abend auf einer fremden Stube sitzt, fühlen sich die nächsten Wochen möglicherweise überhaupt nicht kurz an.
Machen Sie den Zeitraum kleiner. Heute geht es um heute Abend. Danach kommt die Nacht. Morgen geht es um den nächsten Diensttag.
Wenn Ihr Kind versucht, gedanklich die gesamte Ausbildung auf einmal zu bewältigen, wird die Aufgabe unnötig groß.
Ein sinnvoller Gedanke lautet: „Ich muss heute nicht die ganze Grundausbildung schaffen. Ich muss nur den nächsten sinnvollen Schritt machen.“
Eltern können genau diese Perspektive unterstützen.
8. Erinnern Sie an die einfachen Grundlagen
Wenn Menschen emotional belastet sind, wirken einfache Dinge plötzlich nebensächlich. Dabei können genau sie einen großen Unterschied machen.
Hat Ihr Kind ausreichend gegessen? Hat es getrunken? Kann es heute möglichst früh schlafen? Sind die Sachen für den nächsten Morgen vorbereitet? Muss noch etwas organisiert werden?
Sie müssen daraus keine Checkliste am Telefon machen. Aber wenn Ihr Kind erschöpft und überfordert klingt, kann ein ruhiger Hinweis auf den nächsten konkreten Schritt helfen.
Manchmal ist die beste Lösung für einen schwierigen Abend tatsächlich keine große Lebensentscheidung, sondern Essen, Dusche, Vorbereitung und Schlaf.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind klingt völlig erschöpft und sagt, es könne gerade nicht mehr.
Dann können Sie fragen, ob es schon gegessen hat, ob die Sachen für morgen vorbereitet sind und ob es danach schlafen kann. Das löst nicht alles, macht den Abend aber wieder überschaubar.
9. Kameradschaft kann beim Ankommen helfen
Ihr Kind ist mit dem Heimweh möglicherweise weniger allein, als es glaubt. Viele Rekrutinnen und Rekruten befinden sich gleichzeitig in derselben Umstellung. Einige zeigen das offen, andere sprechen kaum darüber.
Ermutigen Sie Ihr Kind deshalb, nicht ausschließlich nach Hause zu telefonieren, wenn es sich schlecht fühlt. Auch ein Gespräch mit einer Kameradin oder einem Kameraden kann helfen.
Gerade die Menschen auf der Stube erleben denselben Standort, denselben Ausbildungsalltag und ähnliche Veränderungen. Aus anfänglich fremden Menschen kann dadurch schnell eine wichtige Gemeinschaft entstehen.
Die Bundeswehr selbst beschreibt Kameradschaft als einen prägenden Bestandteil der ersten Ausbildungsmonate. Das ersetzt die Familie nicht.
Es schafft aber vor Ort ein neues soziales Netz.
10. Unterstützen Sie, ohne die Situation aus der Ferne zu übernehmen
Wenn das eigene Kind traurig ist, entsteht schnell der Wunsch, selbst aktiv zu werden. Vielleicht möchten Sie bei der Einheit anrufen, den Ausbilder sprechen oder herausfinden, was dort gerade passiert.
Bei normalem Heimweh ist das in der Regel nicht der richtige erste Schritt. Ihr Kind sollte lernen, Probleme und Fragen zunehmend selbst vor Ort anzusprechen.
Sie können dabei helfen, den richtigen nächsten Schritt zu finden. Fragen Sie beispielsweise: „Mit wem könntest du dort darüber sprechen?“
Wenn Ihr Kind selbst Kontakt zu einer passenden Ansprechperson aufnimmt, stärkt das seine Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen.
Ihre Unterstützung bleibt wichtig. Sie verändert sich nur.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt, dass es sich auf der Stube nicht wohlfühlt.
Statt selbst bei der Einheit anzurufen, können Sie gemeinsam überlegen, ob zunächst ein Gespräch mit einer Kameradin, einem Kameraden oder einer zuständigen Ansprechperson vor Ort sinnvoll ist.
11. Welche Unterstützung es bei der Bundeswehr gibt
Ihr Kind muss ernsthafte Belastungen nicht allein bewältigen. Die Bundeswehr verfügt über verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Der Sanitätsdienst ist bei gesundheitlichen Beschwerden eine wichtige Anlaufstelle. Der Psychologische Dienst berät Bundeswehrangehörige bei persönlichen und dienstlichen Belastungen. Der Sozialdienst unterstützt auch bei persönlichen und familiären Fragen. Zusätzlich bietet die Militärseelsorge Gesprächsmöglichkeiten.
Diese Stellen arbeiten im psychosozialen Netzwerk der Bundeswehr zusammen. Welche Ansprechstelle im konkreten Fall sinnvoll ist, hängt davon ab, worum es geht.
Bei einem normalen schwierigen Abend reicht möglicherweise zunächst ein Gespräch mit einer vertrauten Person vor Ort. Bei einer stärkeren oder anhaltenden psychischen Belastung sollte Ihr Kind professionelle Unterstützung nutzen.
Hilfe zu suchen ist kein Gegenbeweis für Belastbarkeit. Es ist eine sinnvolle Reaktion, wenn die eigene Belastungsgrenze erreicht wird.
12. Wann aus Heimweh ein gesundheitliches Thema werden kann
Es gibt keine feste Anzahl von Tagen, nach der Heimweh automatisch problematisch wird. Schauen Sie deshalb weniger auf den Kalender und stärker auf die Entwicklung.
Wird es langsam leichter? Findet Ihr Kind Anschluss? Schläft und isst es grundsätzlich? Kann es seinen Dienst bewältigen? Gibt es neben den schwierigen Momenten auch positive Erlebnisse?
Wenn ja, spricht vieles dafür, dass die Anpassung voranschreitet.
Wenn Ihr Kind dagegen über längere Zeit kaum schläft, kaum isst, ständig starke Angst erlebt, seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann oder zunehmend hoffnungslos klingt, sollte das nicht einfach als Heimweh abgetan werden.
Dann sollte Ihr Kind den Sanitätsdienst oder eine andere geeignete professionelle Ansprechstelle einbeziehen.
Sie müssen als Eltern keine Diagnose stellen. Sie müssen lediglich erkennen, wann Zuhören allein nicht mehr ausreicht.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind ist seit mehreren Tagen dauerhaft stark ängstlich, schläft kaum und sagt, dass es seinen normalen Tagesablauf nicht mehr bewältigen kann.
Dann geht es nicht mehr nur um einen typischen schwierigen Abend. In dieser Situation sollte Ihr Kind professionelle Unterstützung vor Ort einbeziehen.
13. Bei Aussagen über Selbstgefährdung zählt sofortiges Handeln
Wenn Ihr Kind äußert, sich etwas antun zu wollen, nicht mehr leben zu wollen oder sich unmittelbar selbst gefährdet, behandeln Sie das nicht als normales Heimweh.
Versuchen Sie, den Kontakt zu halten und sorgen Sie dafür, dass sofort Menschen vor Ort einbezogen werden. Wenn Ihr Kind selbst keine Hilfe holen kann oder Sie eine akute Gefahr befürchten, wählen Sie selbst den Notruf 112 und nennen den Standort Ihres Kindes so genau wie möglich.
Ihr Kind sollte sich unmittelbar an Personen in seiner Umgebung wenden und professionelle Hilfe erhalten. Bei einer akuten Gefahr beziehungsweise einem medizinischen Notfall gilt der Notruf 112.
In einer solchen Situation geht es nicht darum, ob Ihr Kind die Grundausbildung fortsetzt. Zuerst geht es um Sicherheit und medizinische beziehungsweise psychologische Hilfe.
14. Nehmen Sie auch konkrete Vorfälle ernst
Nicht jedes schlechte Gefühl in der Grundausbildung entsteht durch Heimweh. Vielleicht erzählt Ihr Kind von einer Verletzung, einem Konflikt, persönlicher Erniedrigung, Diskriminierung, Gewalt oder einem anderen konkreten Vorfall.
Dann sollten Sie nicht automatisch sagen: „Das gehört bestimmt dazu.“ Fragen Sie, was genau passiert ist.
Eine fordernde Ausbildung, klare Ansprache und körperliche Anstrengung gehören zum militärischen Alltag. Daraus folgt aber nicht, dass jedes Verhalten zulässig ist.
Bei konkreten Problemen sollte Ihr Kind die dafür vorgesehenen Ansprechstellen und Meldewege nutzen.
Eltern helfen in dieser Situation am meisten, wenn sie weder sofort alles dramatisieren noch einen ernsthaften Vorfall als normales Heimweh abtun.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt, dass es wegen eines Fehlers deutlich korrigiert wurde.
Fragen Sie, was konkret gesagt und getan wurde. Eine strenge sachliche Korrektur ist anders zu bewerten als persönliche Erniedrigung, Diskriminierung oder Gewalt.
15. Schreiben Sie Nachrichten, die Halt geben
Sie müssen nicht jeden Abend ein langes Motivationsschreiben verfassen. Kurze Nachrichten können vollkommen ausreichen.
Schreiben Sie Ihrem Kind, dass zuhause alles in Ordnung ist und dass es nicht sofort antworten muss. Sagen Sie, dass ein schwieriger Tag sein darf und morgen neu begonnen werden kann.
Vermeiden Sie Nachrichten, die Ihrem Kind zusätzlich die Verantwortung für Ihre Sorge geben. Wenn Sie schreiben, dass Sie die ganze Nacht wachliegen, weil keine Antwort kam, muss Ihr Kind plötzlich neben dem eigenen Dienstalltag auch noch Sie beruhigen.
Natürlich dürfen Sie Sorgen haben. Versuchen Sie aber, diese nicht vollständig bei Ihrem Kind abzuladen.
Zuhause sollte in dieser Phase Stabilität vermitteln.
16. Telefonieren Sie nicht jedes Problem größer
Ein Telefonat kann sehr entlastend sein. Es kann Heimweh aber auch verstärken, wenn sich das gesamte Gespräch nur darum dreht, wie schlimm alles gerade ist.
Hören Sie zu und fragen Sie nach. Sprechen Sie anschließend ruhig auch über normale Dinge.
Erzählen Sie etwas von zuhause, vom Hund, von Geschwistern oder von einer alltäglichen Situation. Damit erinnern Sie Ihr Kind daran, dass zuhause weiterhin da ist, ohne dass es sich gedanklich den gesamten Abend aus der neuen Umgebung zurückzieht.
Nicht jedes Telefonat muss eine Lagebesprechung sein. Manchmal tut Normalität besonders gut.
17. Kontakt darf helfen, sollte aber keine Pflicht werden
Wenn Ihr Kind Heimweh hat, liegt die Idee nahe, möglichst häufig zu telefonieren. Mehr Kontakt ist aber nicht automatisch besser.
Ihr Kind muss gleichzeitig am neuen Standort ankommen, Kontakte aufbauen und sich in den Tagesablauf einfinden. Wenn jeder freie Moment für lange Gespräche mit zuhause genutzt wird, kann das diesen Prozess sogar erschweren.
Finden Sie deshalb einen Rhythmus, der Halt gibt, ohne den neuen Alltag zu blockieren. Manchmal reicht eine kurze Nachricht am Abend. An einem anderen Tag ist ein längeres Telefonat genau richtig.
Orientieren Sie sich daran, was Ihrem Kind tatsächlich hilft.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind telefoniert anfangs jeden freien Abend lange mit zuhause und sagt gleichzeitig, dass es vor Ort kaum Anschluss findet.
Dann kann es sinnvoll sein, den Kontakt etwas flexibler zu gestalten, damit auch Raum für Gespräche mit Kameradinnen und Kameraden entsteht.
18. Das erste Wochenende zuhause kann emotional werden
Wenn Ihr Kind am Wochenende nach Hause kommt, fällt häufig viel Anspannung ab. Dann kann es besonders müde sein oder plötzlich viel erzählen. Vielleicht wirkt es zuhause sogar emotionaler als während der Woche.
Auch das muss nicht bedeuten, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. Die vertraute Umgebung bietet einen sicheren Raum, in dem Anspannung nachlassen kann.
Planen Sie deshalb gerade die ersten Heimfahrten nicht vollständig durch. Ihr Kind braucht möglicherweise Schlaf, Essen, Wäsche und Zeit für sich.
Es muss nicht am Freitagabend bereits die gesamte Familie besuchen und am Samstag jeden Freund treffen. Ein ruhiges Wochenende kann wesentlich mehr Stabilität geben als ein vollgepackter Terminkalender.
19. Verwandeln Sie Sonntagabend nicht in einen zweiten Abschied
Wenn die Rückfahrt zur Kaserne näher rückt, kann das Heimweh wieder stärker werden. Das ist nachvollziehbar.
Versuchen Sie trotzdem, den Sonntag nicht bereits ab dem Frühstück zu einem langen Abschied werden zu lassen. Helfen Sie Ihrem Kind lieber dabei, ruhig vorbereitet zurückzufahren.
Sind die Sachen gepackt? Ist die Verbindung geklärt? Gibt es ausreichend Zeitpuffer? Hat Ihr Kind gegessen und ausreichend geschlafen?
Praktische Ruhe hilft in diesem Moment mehr als stundenlanges gemeinsames Grübeln darüber, wie schwer die kommende Woche werden könnte.
Der nächste Abschied wird häufig leichter, wenn die ersten positiven Erfahrungen am Standort hinzukommen.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind wird sonntags schon am Vormittag traurig, weil am Abend die Rückfahrt ansteht.
Dann hilft es eher, den Tag normal weiterzuführen und die Rückreise praktisch vorzubereiten, statt viele Stunden lang nur über den Abschied zu sprechen.
20. Wenn Ihr Kind nach jedem Wochenende stärkeres Heimweh bekommt
Manche junge Soldatinnen und Soldaten erleben die Rückkehr nach Hause als sehr schön und die anschließende Fahrt zur Kaserne als besonders schwierig. Beobachten Sie auch hier die Entwicklung.
Wird der Sonntagabend zwar emotional, aber Ihr Kind findet am Montag wieder in den Alltag? Dann muss daraus kein grundsätzliches Problem entstehen.
Wird die Rückkehr dagegen von Woche zu Woche schwieriger und belastet Ihr Kind bereits Tage vorher stark, lohnt sich ein genaueres Gespräch.
Vielleicht geht es dann nicht mehr nur um Heimweh. Möglicherweise gibt es am Standort einen konkreten Konflikt, gesundheitliche Probleme oder eine andere Belastung, die bisher nicht klar ausgesprochen wurde.
Fragen Sie danach.
21. Machen Sie die Grundausbildung nicht zum einzigen Gesprächsthema
Wenn Ihr Kind anruft, müssen nicht die ersten zehn Fragen lauten: „Wie war der Dienst?“, „War der Ausbilder wieder streng?“, „Wie war Sport?“ oder „Was habt ihr heute gemacht?“
Ihr Kind erlebt die Bundeswehr den ganzen Tag. Manchmal möchte es zuhause gerade etwas anderes hören.
Erzählen Sie ruhig aus dem normalen Familienalltag. Fragen Sie nach anderen Dingen. Lassen Sie auch Schweigen zu.
Zuhause darf der Ort bleiben, an dem Ihr Kind nicht ständig funktionieren und berichten muss. Das kann bei Heimweh besonders wertvoll sein.
22. Was Sie konkret tun können, wenn heute Abend der Anruf kommt
Wenn Ihr Kind heute Abend weinend oder sehr traurig anruft, beginnen Sie mit Zuhören. Fragen Sie, ob etwas Konkretes passiert ist oder ob gerade vor allem alles neu und zu viel ist.
Lassen Sie Ihr Kind erzählen, ohne sofort zu widersprechen oder Lösungen vorzugeben. Wenn es nach normalem Heimweh und Erschöpfung klingt, richten Sie den Blick auf den nächsten Schritt.
Essen, duschen, Sachen für morgen vorbereiten und schlafen können für diesen Abend genug sein. Vereinbaren Sie nicht mitten in der Nacht die gesamte berufliche Zukunft.
Wenn Ihr Kind dagegen von einer starken oder anhaltenden psychischen Belastung, erheblichen gesundheitlichen Problemen, Selbstgefährdung oder einem ernsten konkreten Vorfall berichtet, ermutigen Sie es nicht nur zum Durchhalten. Dann braucht es Unterstützung vor Ort und abhängig von der Situation medizinische oder psychologische Hilfe.
Diese Unterscheidung ist wichtiger als jeder Motivationsspruch.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind ruft weinend an und sagt: „Ich will gerade einfach nur nach Hause.“
Fragen Sie zuerst, ob etwas Bestimmtes passiert ist und ob Ihr Kind sicher ist. Wenn es vor allem erschöpft ist und zuhause vermisst, konzentrieren Sie sich auf diesen Abend und den nächsten Morgen. Wenn dagegen eine akute Krise oder Selbstgefährdung im Raum steht, muss sofort Hilfe vor Ort einbezogen werden.
23. Fazit
Wenn Ihr Kind während der Grundausbildung Heimweh hat, brauchen Sie nicht die perfekte Antwort. Sie brauchen vor allem Ruhe und einen klaren Blick auf die Situation.
Nehmen Sie das Gefühl ernst. Fragen Sie, was konkret dahintersteht, und helfen Sie Ihrem Kind dabei, den nächsten überschaubaren Schritt zu sehen. Machen Sie aus einem schwierigen Abend nicht sofort eine Entscheidung über die gesamte Bundeswehrzeit.
Gleichzeitig sollten Sie aufmerksam bleiben. Wenn aus Heimweh eine starke oder anhaltende Belastung wird, Ihr Kind seinen Alltag nicht mehr bewältigt, gesundheitliche Probleme hinzukommen oder eine akute Krise entsteht, reicht elterliches Zuhören nicht mehr aus.
Dann sollte professionelle Unterstützung vor Ort genutzt werden.
Die hilfreiche Haltung lautet deshalb: zuhören, einordnen, Stabilität geben und bei Bedarf früh die passende Hilfe einbeziehen. Damit helfen Sie Ihrem Kind mehr als mit Panik auf der einen oder einem pauschalen „Du musst da jetzt durch“ auf der anderen Seite.
Vorbereitung mit der Soldateninitiative
Die Soldateninitiative erklärt Bundeswehr-Themen verständlich für Bewerberinnen, Bewerber, junge Soldatinnen und Soldaten sowie Eltern und hilft dabei, die ersten Wochen des militärischen Alltags bereits vor dem Dienstantritt realistischer einzuordnen.
Gerade Heimweh lässt sich nicht vollständig verhindern. Eine gute Vorbereitung kann aber dafür sorgen, dass die Umstellung weniger überraschend kommt. Ein strukturierter Check hilft dabei, Themen wie Dienstantritt, Stube und Spind, Kontakt nach Hause, Handy, Schlaf, Heimfahrt, Kameradschaft, mentale Vorbereitung und den Umgang mit schwierigen ersten Tagen rechtzeitig zu besprechen.
Mission Grundausbildung: Bist du bereit?
Der Check hilft Ihrem Kind, sich nicht nur körperlich, sondern auch organisatorisch und mental auf die ersten Wochen vorzubereiten. Für Sie als Eltern wird dadurch nachvollziehbarer, welche Veränderungen bevorstehen und wie Sie unterstützen können, ohne Ihrem Kind die Anpassung und Eigenverantwortung abzunehmen.
1. Warum Heimweh gerade am Anfang auftreten kann
Der Schritt von zuhause in die Kaserne ist größer, als viele junge Menschen vorher erwarten.
Bis zum Dienstantritt ist vieles vertraut. Das eigene Zimmer, Familie, Freunde, Partnerin oder Partner, Essen, Schlafrhythmus und Freizeit gehören zu einem Alltag, über den kaum nachgedacht werden muss.
Dann verändert sich innerhalb kurzer Zeit sehr viel. Ihr Kind kommt an einen neuen Standort und lebt mit Menschen zusammen, die es vorher nicht kannte. Gleichzeitig muss es militärische Abläufe lernen, mit neuer Ausrüstung umgehen, pünktlich sein, zuhören, sich in eine Gruppe einfügen und jeden Tag zahlreiche neue Informationen verarbeiten.
Die heutige Heimatschutzausbildung umfasst unter anderem Gefechtsdienst, Schießausbildung, ABC-Abwehr, Sanitätsausbildung, Sport, militärische Sicherheit und Wachdienst sowie Cyber Awareness. Die Bundeswehr beschreibt die ersten Monate selbst als intensive Zeit.
Gerade abends, wenn der Diensttag vorbei ist und erstmals Ruhe entsteht, können die Gedanken deshalb stärker nach Hause wandern. Das ist zunächst eine nachvollziehbare Reaktion auf eine große Veränderung.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind meldet sich am dritten Abend und sagt, dass ihm sein eigenes Zimmer, das Essen zuhause und die vertraute Ruhe fehlen.
Das muss noch kein Zeichen für eine Fehlentscheidung sein. In den ersten Tagen prallen sehr viele neue Eindrücke aufeinander, und gerade am Abend wird der Unterschied zum bisherigen Alltag besonders spürbar.
2. Heimweh ist nicht automatisch ein Zeichen für eine falsche Entscheidung
Dieser Punkt ist für Eltern besonders wichtig. Wenn Ihr Kind sagt, dass es zuhause vermisst, müssen Sie daraus nicht sofort schließen, dass die Bundeswehr nicht zu ihm passt.
Menschen können etwas freiwillig gewählt haben und die Umstellung trotzdem schwierig finden. Ihr Kind kann sich auf die Bundeswehr gefreut haben und gleichzeitig am dritten Abend sein eigenes Bett vermissen.
Es kann motiviert sein und trotzdem nach einem anstrengenden Ausbildungstag traurig werden. Es kann die Kameradschaft mögen und trotzdem seine Familie vermissen. Diese Gefühle widersprechen sich nicht.
Entscheidend ist vielmehr, wie sich die Situation entwickelt. Wird Ihr Kind nach einigen Tagen sicherer, findet Anschluss und lernt den neuen Alltag kennen, spricht vieles für eine normale Anpassungsphase.
Bleibt die Belastung dagegen stark oder verschlechtert sich der Zustand deutlich, sollte genauer hingeschaut werden.
3. Hören Sie zuerst heraus, was Ihr Kind eigentlich meint
„Ich habe Heimweh“ kann sehr unterschiedliche Dinge bedeuten. Vielleicht fehlt tatsächlich vor allem zuhause. Vielleicht steckt aber etwas anderes dahinter.
Fragen Sie deshalb ruhig nach, was heute besonders schwer war. Fragen Sie, ob Ihr Kind ausreichend gegessen und geschlafen hat, ob es auf der Stube Anschluss findet und ob ein konkretes Ereignis passiert ist.
Sie müssen daraus kein Verhör machen. Zwei oder drei ruhige Fragen reichen häufig aus, um besser zu verstehen, worum es eigentlich geht.
Wenn Ihr Kind sagt: „Es ist einfach alles neu und ich vermisse euch“, ist das eine andere Situation als: „Ich habe seit Tagen kaum geschlafen, bekomme starke Angst und weiß nicht mehr weiter.“
Beides verdient Aufmerksamkeit. Aber nicht beides verlangt dieselbe Reaktion.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt am Telefon zunächst nur: „Ich will gerade einfach nach Hause.“
Wenn Sie ruhig nachfragen, stellt sich vielleicht heraus, dass der Tag besonders lang war, es kaum geschlafen hat und auf der Stube noch niemanden richtig kennt. Dann wissen Sie deutlich besser, woran Sie gemeinsam ansetzen können.
4. Ein erschöpftes Telefonat ist nur ein Ausschnitt des Tages
Eltern erleben die Grundausbildung häufig durch wenige Minuten am Telefon. Ihr Kind hatte vielleicht einen langen Tag und ruft genau in dem Moment an, in dem die Energie am niedrigsten ist. Sie hören dann Müdigkeit, Frust und Heimweh.
Was Sie nicht gesehen haben, sind möglicherweise die anderen Stunden des Tages. Vielleicht hat Ihr Kind mit den Kameradinnen und Kameraden gelacht, eine neue Aufgabe geschafft, beim Sport Fortschritte gemacht oder sich bereits besser zurechtgefunden.
Das bedeutet nicht, dass Sie eine traurige Stimme ignorieren sollten. Es bedeutet lediglich, dass ein Telefonat am Ende eines anstrengenden Tages nicht automatisch den gesamten Zustand Ihres Kindes abbildet.
Fragen Sie deshalb lieber: „War heute insgesamt ein schlechter Tag oder ist es gerade jetzt am Abend besonders schwer?“
Diese Unterscheidung kann viel verändern.
5. Geben Sie dem Gefühl Raum, ohne es größer zu machen
Ein hilfreicher Satz beginnt nicht mit einer Lösung. Er beginnt mit Verständnis.
Sie können Ihrem Kind sagen, dass Sie nachvollziehen können, warum die ersten Tage ungewohnt sind und dass es in Ordnung ist, zuhause zu vermissen. Danach richten Sie den Blick nach vorn.
Was steht morgen als Nächstes an? Was kann heute noch vorbereitet werden? Gibt es jemanden auf der Stube, mit dem Ihr Kind sprechen kann? Braucht es jetzt vielleicht einfach Schlaf?
So bekommt das Gefühl Raum, ohne dass daraus sofort eine Entscheidung über die gesamte Dienstzeit entsteht. Das ist der Unterschied zwischen Ernstnehmen und Verstärken.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt: „Ich vermisse euch gerade total.“
Eine hilfreiche Antwort kann sein: „Das glaube ich dir. Du musst heute Abend noch keine große Entscheidung treffen. Mach dich für morgen fertig, versuch etwas zu schlafen und schau, wie es dir morgen geht.“
6. Warum „Dann komm doch einfach nach Hause“ meistens zu früh kommt
Der Satz ist verständlich. Sie möchten Ihrem Kind zeigen, dass es jederzeit einen sicheren Ort bei Ihnen hat.
In einem Moment normalen Heimwehs kann „Dann komm doch nach Hause“ trotzdem zusätzlichen Druck erzeugen. Plötzlich geht es nicht mehr darum, einen schwierigen Abend zu überstehen. Ihr Kind steht stattdessen vor der Frage, ob es die gesamte Grundausbildung fortsetzen oder abbrechen soll.
Diese Entscheidung ist in einem erschöpften Moment häufig viel zu groß. Sagen Sie lieber, dass Sie da sind und morgen weitergeschaut werden kann.
Wenn Ihr Kind tatsächlich ernsthaft darüber nachdenkt, den Dienst zu beenden, kann dieses Thema selbstverständlich besprochen werden. Es sollte aber möglichst nicht aus einem einzelnen schwierigen Abend heraus entschieden werden.
Erst stabilisieren, dann verstehen, dann entscheiden.
7. Helfen Sie Ihrem Kind, den Zeitraum kleiner zu machen
Drei Monate können in einer schwierigen ersten Woche unglaublich lang wirken. Deshalb hilft es häufig nicht, zu sagen: „Die Grundausbildung geht doch schnell vorbei.“
Für jemanden, der gerade am dritten Abend auf einer fremden Stube sitzt, fühlen sich die nächsten Wochen möglicherweise überhaupt nicht kurz an.
Machen Sie den Zeitraum kleiner. Heute geht es um heute Abend. Danach kommt die Nacht. Morgen geht es um den nächsten Diensttag.
Wenn Ihr Kind versucht, gedanklich die gesamte Ausbildung auf einmal zu bewältigen, wird die Aufgabe unnötig groß.
Ein sinnvoller Gedanke lautet: „Ich muss heute nicht die ganze Grundausbildung schaffen. Ich muss nur den nächsten sinnvollen Schritt machen.“
Eltern können genau diese Perspektive unterstützen.
8. Erinnern Sie an die einfachen Grundlagen
Wenn Menschen emotional belastet sind, wirken einfache Dinge plötzlich nebensächlich. Dabei können genau sie einen großen Unterschied machen.
Hat Ihr Kind ausreichend gegessen? Hat es getrunken? Kann es heute möglichst früh schlafen? Sind die Sachen für den nächsten Morgen vorbereitet? Muss noch etwas organisiert werden?
Sie müssen daraus keine Checkliste am Telefon machen. Aber wenn Ihr Kind erschöpft und überfordert klingt, kann ein ruhiger Hinweis auf den nächsten konkreten Schritt helfen.
Manchmal ist die beste Lösung für einen schwierigen Abend tatsächlich keine große Lebensentscheidung, sondern Essen, Dusche, Vorbereitung und Schlaf.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind klingt völlig erschöpft und sagt, es könne gerade nicht mehr.
Dann können Sie fragen, ob es schon gegessen hat, ob die Sachen für morgen vorbereitet sind und ob es danach schlafen kann. Das löst nicht alles, macht den Abend aber wieder überschaubar.
9. Kameradschaft kann beim Ankommen helfen
Ihr Kind ist mit dem Heimweh möglicherweise weniger allein, als es glaubt. Viele Rekrutinnen und Rekruten befinden sich gleichzeitig in derselben Umstellung. Einige zeigen das offen, andere sprechen kaum darüber.
Ermutigen Sie Ihr Kind deshalb, nicht ausschließlich nach Hause zu telefonieren, wenn es sich schlecht fühlt. Auch ein Gespräch mit einer Kameradin oder einem Kameraden kann helfen.
Gerade die Menschen auf der Stube erleben denselben Standort, denselben Ausbildungsalltag und ähnliche Veränderungen. Aus anfänglich fremden Menschen kann dadurch schnell eine wichtige Gemeinschaft entstehen.
Die Bundeswehr selbst beschreibt Kameradschaft als einen prägenden Bestandteil der ersten Ausbildungsmonate. Das ersetzt die Familie nicht.
Es schafft aber vor Ort ein neues soziales Netz.
10. Unterstützen Sie, ohne die Situation aus der Ferne zu übernehmen
Wenn das eigene Kind traurig ist, entsteht schnell der Wunsch, selbst aktiv zu werden. Vielleicht möchten Sie bei der Einheit anrufen, den Ausbilder sprechen oder herausfinden, was dort gerade passiert.
Bei normalem Heimweh ist das in der Regel nicht der richtige erste Schritt. Ihr Kind sollte lernen, Probleme und Fragen zunehmend selbst vor Ort anzusprechen.
Sie können dabei helfen, den richtigen nächsten Schritt zu finden. Fragen Sie beispielsweise: „Mit wem könntest du dort darüber sprechen?“
Wenn Ihr Kind selbst Kontakt zu einer passenden Ansprechperson aufnimmt, stärkt das seine Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen.
Ihre Unterstützung bleibt wichtig. Sie verändert sich nur.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt, dass es sich auf der Stube nicht wohlfühlt.
Statt selbst bei der Einheit anzurufen, können Sie gemeinsam überlegen, ob zunächst ein Gespräch mit einer Kameradin, einem Kameraden oder einer zuständigen Ansprechperson vor Ort sinnvoll ist.
11. Welche Unterstützung es bei der Bundeswehr gibt
Ihr Kind muss ernsthafte Belastungen nicht allein bewältigen. Die Bundeswehr verfügt über verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Der Sanitätsdienst ist bei gesundheitlichen Beschwerden eine wichtige Anlaufstelle. Der Psychologische Dienst berät Bundeswehrangehörige bei persönlichen und dienstlichen Belastungen. Der Sozialdienst unterstützt auch bei persönlichen und familiären Fragen. Zusätzlich bietet die Militärseelsorge Gesprächsmöglichkeiten.
Diese Stellen arbeiten im psychosozialen Netzwerk der Bundeswehr zusammen. Welche Ansprechstelle im konkreten Fall sinnvoll ist, hängt davon ab, worum es geht.
Bei einem normalen schwierigen Abend reicht möglicherweise zunächst ein Gespräch mit einer vertrauten Person vor Ort. Bei einer stärkeren oder anhaltenden psychischen Belastung sollte Ihr Kind professionelle Unterstützung nutzen.
Hilfe zu suchen ist kein Gegenbeweis für Belastbarkeit. Es ist eine sinnvolle Reaktion, wenn die eigene Belastungsgrenze erreicht wird.
12. Wann aus Heimweh ein gesundheitliches Thema werden kann
Es gibt keine feste Anzahl von Tagen, nach der Heimweh automatisch problematisch wird. Schauen Sie deshalb weniger auf den Kalender und stärker auf die Entwicklung.
Wird es langsam leichter? Findet Ihr Kind Anschluss? Schläft und isst es grundsätzlich? Kann es seinen Dienst bewältigen? Gibt es neben den schwierigen Momenten auch positive Erlebnisse?
Wenn ja, spricht vieles dafür, dass die Anpassung voranschreitet.
Wenn Ihr Kind dagegen über längere Zeit kaum schläft, kaum isst, ständig starke Angst erlebt, seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann oder zunehmend hoffnungslos klingt, sollte das nicht einfach als Heimweh abgetan werden.
Dann sollte Ihr Kind den Sanitätsdienst oder eine andere geeignete professionelle Ansprechstelle einbeziehen.
Sie müssen als Eltern keine Diagnose stellen. Sie müssen lediglich erkennen, wann Zuhören allein nicht mehr ausreicht.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind ist seit mehreren Tagen dauerhaft stark ängstlich, schläft kaum und sagt, dass es seinen normalen Tagesablauf nicht mehr bewältigen kann.
Dann geht es nicht mehr nur um einen typischen schwierigen Abend. In dieser Situation sollte Ihr Kind professionelle Unterstützung vor Ort einbeziehen.
13. Bei Aussagen über Selbstgefährdung zählt sofortiges Handeln
Wenn Ihr Kind äußert, sich etwas antun zu wollen, nicht mehr leben zu wollen oder sich unmittelbar selbst gefährdet, behandeln Sie das nicht als normales Heimweh.
Versuchen Sie, den Kontakt zu halten und sorgen Sie dafür, dass sofort Menschen vor Ort einbezogen werden. Wenn Ihr Kind selbst keine Hilfe holen kann oder Sie eine akute Gefahr befürchten, wählen Sie selbst den Notruf 112 und nennen den Standort Ihres Kindes so genau wie möglich.
Ihr Kind sollte sich unmittelbar an Personen in seiner Umgebung wenden und professionelle Hilfe erhalten. Bei einer akuten Gefahr beziehungsweise einem medizinischen Notfall gilt der Notruf 112.
In einer solchen Situation geht es nicht darum, ob Ihr Kind die Grundausbildung fortsetzt. Zuerst geht es um Sicherheit und medizinische beziehungsweise psychologische Hilfe.
14. Nehmen Sie auch konkrete Vorfälle ernst
Nicht jedes schlechte Gefühl in der Grundausbildung entsteht durch Heimweh. Vielleicht erzählt Ihr Kind von einer Verletzung, einem Konflikt, persönlicher Erniedrigung, Diskriminierung, Gewalt oder einem anderen konkreten Vorfall.
Dann sollten Sie nicht automatisch sagen: „Das gehört bestimmt dazu.“ Fragen Sie, was genau passiert ist.
Eine fordernde Ausbildung, klare Ansprache und körperliche Anstrengung gehören zum militärischen Alltag. Daraus folgt aber nicht, dass jedes Verhalten zulässig ist.
Bei konkreten Problemen sollte Ihr Kind die dafür vorgesehenen Ansprechstellen und Meldewege nutzen.
Eltern helfen in dieser Situation am meisten, wenn sie weder sofort alles dramatisieren noch einen ernsthaften Vorfall als normales Heimweh abtun.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind sagt, dass es wegen eines Fehlers deutlich korrigiert wurde.
Fragen Sie, was konkret gesagt und getan wurde. Eine strenge sachliche Korrektur ist anders zu bewerten als persönliche Erniedrigung, Diskriminierung oder Gewalt.
15. Schreiben Sie Nachrichten, die Halt geben
Sie müssen nicht jeden Abend ein langes Motivationsschreiben verfassen. Kurze Nachrichten können vollkommen ausreichen.
Schreiben Sie Ihrem Kind, dass zuhause alles in Ordnung ist und dass es nicht sofort antworten muss. Sagen Sie, dass ein schwieriger Tag sein darf und morgen neu begonnen werden kann.
Vermeiden Sie Nachrichten, die Ihrem Kind zusätzlich die Verantwortung für Ihre Sorge geben. Wenn Sie schreiben, dass Sie die ganze Nacht wachliegen, weil keine Antwort kam, muss Ihr Kind plötzlich neben dem eigenen Dienstalltag auch noch Sie beruhigen.
Natürlich dürfen Sie Sorgen haben. Versuchen Sie aber, diese nicht vollständig bei Ihrem Kind abzuladen.
Zuhause sollte in dieser Phase Stabilität vermitteln.
16. Telefonieren Sie nicht jedes Problem größer
Ein Telefonat kann sehr entlastend sein. Es kann Heimweh aber auch verstärken, wenn sich das gesamte Gespräch nur darum dreht, wie schlimm alles gerade ist.
Hören Sie zu und fragen Sie nach. Sprechen Sie anschließend ruhig auch über normale Dinge.
Erzählen Sie etwas von zuhause, vom Hund, von Geschwistern oder von einer alltäglichen Situation. Damit erinnern Sie Ihr Kind daran, dass zuhause weiterhin da ist, ohne dass es sich gedanklich den gesamten Abend aus der neuen Umgebung zurückzieht.
Nicht jedes Telefonat muss eine Lagebesprechung sein. Manchmal tut Normalität besonders gut.
17. Kontakt darf helfen, sollte aber keine Pflicht werden
Wenn Ihr Kind Heimweh hat, liegt die Idee nahe, möglichst häufig zu telefonieren. Mehr Kontakt ist aber nicht automatisch besser.
Ihr Kind muss gleichzeitig am neuen Standort ankommen, Kontakte aufbauen und sich in den Tagesablauf einfinden. Wenn jeder freie Moment für lange Gespräche mit zuhause genutzt wird, kann das diesen Prozess sogar erschweren.
Finden Sie deshalb einen Rhythmus, der Halt gibt, ohne den neuen Alltag zu blockieren. Manchmal reicht eine kurze Nachricht am Abend. An einem anderen Tag ist ein längeres Telefonat genau richtig.
Orientieren Sie sich daran, was Ihrem Kind tatsächlich hilft.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind telefoniert anfangs jeden freien Abend lange mit zuhause und sagt gleichzeitig, dass es vor Ort kaum Anschluss findet.
Dann kann es sinnvoll sein, den Kontakt etwas flexibler zu gestalten, damit auch Raum für Gespräche mit Kameradinnen und Kameraden entsteht.
18. Das erste Wochenende zuhause kann emotional werden
Wenn Ihr Kind am Wochenende nach Hause kommt, fällt häufig viel Anspannung ab. Dann kann es besonders müde sein oder plötzlich viel erzählen. Vielleicht wirkt es zuhause sogar emotionaler als während der Woche.
Auch das muss nicht bedeuten, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. Die vertraute Umgebung bietet einen sicheren Raum, in dem Anspannung nachlassen kann.
Planen Sie deshalb gerade die ersten Heimfahrten nicht vollständig durch. Ihr Kind braucht möglicherweise Schlaf, Essen, Wäsche und Zeit für sich.
Es muss nicht am Freitagabend bereits die gesamte Familie besuchen und am Samstag jeden Freund treffen. Ein ruhiges Wochenende kann wesentlich mehr Stabilität geben als ein vollgepackter Terminkalender.
19. Verwandeln Sie Sonntagabend nicht in einen zweiten Abschied
Wenn die Rückfahrt zur Kaserne näher rückt, kann das Heimweh wieder stärker werden. Das ist nachvollziehbar.
Versuchen Sie trotzdem, den Sonntag nicht bereits ab dem Frühstück zu einem langen Abschied werden zu lassen. Helfen Sie Ihrem Kind lieber dabei, ruhig vorbereitet zurückzufahren.
Sind die Sachen gepackt? Ist die Verbindung geklärt? Gibt es ausreichend Zeitpuffer? Hat Ihr Kind gegessen und ausreichend geschlafen?
Praktische Ruhe hilft in diesem Moment mehr als stundenlanges gemeinsames Grübeln darüber, wie schwer die kommende Woche werden könnte.
Der nächste Abschied wird häufig leichter, wenn die ersten positiven Erfahrungen am Standort hinzukommen.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind wird sonntags schon am Vormittag traurig, weil am Abend die Rückfahrt ansteht.
Dann hilft es eher, den Tag normal weiterzuführen und die Rückreise praktisch vorzubereiten, statt viele Stunden lang nur über den Abschied zu sprechen.
20. Wenn Ihr Kind nach jedem Wochenende stärkeres Heimweh bekommt
Manche junge Soldatinnen und Soldaten erleben die Rückkehr nach Hause als sehr schön und die anschließende Fahrt zur Kaserne als besonders schwierig. Beobachten Sie auch hier die Entwicklung.
Wird der Sonntagabend zwar emotional, aber Ihr Kind findet am Montag wieder in den Alltag? Dann muss daraus kein grundsätzliches Problem entstehen.
Wird die Rückkehr dagegen von Woche zu Woche schwieriger und belastet Ihr Kind bereits Tage vorher stark, lohnt sich ein genaueres Gespräch.
Vielleicht geht es dann nicht mehr nur um Heimweh. Möglicherweise gibt es am Standort einen konkreten Konflikt, gesundheitliche Probleme oder eine andere Belastung, die bisher nicht klar ausgesprochen wurde.
Fragen Sie danach.
21. Machen Sie die Grundausbildung nicht zum einzigen Gesprächsthema
Wenn Ihr Kind anruft, müssen nicht die ersten zehn Fragen lauten: „Wie war der Dienst?“, „War der Ausbilder wieder streng?“, „Wie war Sport?“ oder „Was habt ihr heute gemacht?“
Ihr Kind erlebt die Bundeswehr den ganzen Tag. Manchmal möchte es zuhause gerade etwas anderes hören.
Erzählen Sie ruhig aus dem normalen Familienalltag. Fragen Sie nach anderen Dingen. Lassen Sie auch Schweigen zu.
Zuhause darf der Ort bleiben, an dem Ihr Kind nicht ständig funktionieren und berichten muss. Das kann bei Heimweh besonders wertvoll sein.
22. Was Sie konkret tun können, wenn heute Abend der Anruf kommt
Wenn Ihr Kind heute Abend weinend oder sehr traurig anruft, beginnen Sie mit Zuhören. Fragen Sie, ob etwas Konkretes passiert ist oder ob gerade vor allem alles neu und zu viel ist.
Lassen Sie Ihr Kind erzählen, ohne sofort zu widersprechen oder Lösungen vorzugeben. Wenn es nach normalem Heimweh und Erschöpfung klingt, richten Sie den Blick auf den nächsten Schritt.
Essen, duschen, Sachen für morgen vorbereiten und schlafen können für diesen Abend genug sein. Vereinbaren Sie nicht mitten in der Nacht die gesamte berufliche Zukunft.
Wenn Ihr Kind dagegen von einer starken oder anhaltenden psychischen Belastung, erheblichen gesundheitlichen Problemen, Selbstgefährdung oder einem ernsten konkreten Vorfall berichtet, ermutigen Sie es nicht nur zum Durchhalten. Dann braucht es Unterstützung vor Ort und abhängig von der Situation medizinische oder psychologische Hilfe.
Diese Unterscheidung ist wichtiger als jeder Motivationsspruch.
Konkretes Beispiel
Ihr Kind ruft weinend an und sagt: „Ich will gerade einfach nur nach Hause.“
Fragen Sie zuerst, ob etwas Bestimmtes passiert ist und ob Ihr Kind sicher ist. Wenn es vor allem erschöpft ist und zuhause vermisst, konzentrieren Sie sich auf diesen Abend und den nächsten Morgen. Wenn dagegen eine akute Krise oder Selbstgefährdung im Raum steht, muss sofort Hilfe vor Ort einbezogen werden.
23. Fazit
Wenn Ihr Kind während der Grundausbildung Heimweh hat, brauchen Sie nicht die perfekte Antwort. Sie brauchen vor allem Ruhe und einen klaren Blick auf die Situation.
Nehmen Sie das Gefühl ernst. Fragen Sie, was konkret dahintersteht, und helfen Sie Ihrem Kind dabei, den nächsten überschaubaren Schritt zu sehen. Machen Sie aus einem schwierigen Abend nicht sofort eine Entscheidung über die gesamte Bundeswehrzeit.
Gleichzeitig sollten Sie aufmerksam bleiben. Wenn aus Heimweh eine starke oder anhaltende Belastung wird, Ihr Kind seinen Alltag nicht mehr bewältigt, gesundheitliche Probleme hinzukommen oder eine akute Krise entsteht, reicht elterliches Zuhören nicht mehr aus.
Dann sollte professionelle Unterstützung vor Ort genutzt werden.
Die hilfreiche Haltung lautet deshalb: zuhören, einordnen, Stabilität geben und bei Bedarf früh die passende Hilfe einbeziehen. Damit helfen Sie Ihrem Kind mehr als mit Panik auf der einen oder einem pauschalen „Du musst da jetzt durch“ auf der anderen Seite.
Vorbereitung mit der Soldateninitiative
Die Soldateninitiative erklärt Bundeswehr-Themen verständlich für Bewerberinnen, Bewerber, junge Soldatinnen und Soldaten sowie Eltern und hilft dabei, die ersten Wochen des militärischen Alltags bereits vor dem Dienstantritt realistischer einzuordnen.
Gerade Heimweh lässt sich nicht vollständig verhindern. Eine gute Vorbereitung kann aber dafür sorgen, dass die Umstellung weniger überraschend kommt. Ein strukturierter Check hilft dabei, Themen wie Dienstantritt, Stube und Spind, Kontakt nach Hause, Handy, Schlaf, Heimfahrt, Kameradschaft, mentale Vorbereitung und den Umgang mit schwierigen ersten Tagen rechtzeitig zu besprechen.
Mission Grundausbildung: Bist du bereit?
Der Check hilft Ihrem Kind, sich nicht nur körperlich, sondern auch organisatorisch und mental auf die ersten Wochen vorzubereiten. Für Sie als Eltern wird dadurch nachvollziehbarer, welche Veränderungen bevorstehen und wie Sie unterstützen können, ohne Ihrem Kind die Anpassung und Eigenverantwortung abzunehmen.
Häufige Fragen
01
Ist Heimweh in der Grundausbildung normal?
Ja. Gerade in den ersten Tagen und Wochen kann die große Umstellung Heimweh auslösen. Entscheidend ist, wie stark die Belastung ist und wie sie sich entwickelt.
02
Soll ich meinem Kind sagen, dass es nach Hause kommen soll?
Nicht reflexartig. Bei normalem Heimweh ist es meist hilfreicher, zuzuhören, den nächsten kleinen Schritt zu besprechen und eine große Entscheidung nicht aus einem einzelnen schwierigen Abend heraus zu treffen.
03
Soll ich meinem Kind sagen, dass es einfach durchhalten muss?
Nein. Reines Durchhalten ist ebenfalls keine gute Standardantwort. Fragen Sie, was konkret los ist. Normale Anfangsbelastung braucht eine andere Reaktion als gesundheitliche Probleme oder eine ernsthafte psychische Krise.
04
Was hilft bei normalem Heimweh?
Häufig helfen Schlaf, ein überschaubarer Blick auf den nächsten Tag, Kontakt ohne zusätzlichen Druck, Gespräche mit Kameradinnen und Kameraden und die zunehmende Gewöhnung an den neuen Alltag.
05
Sollte ich jeden Abend anrufen?
Nein. Kontakt sollte unterstützen und keine zusätzliche Pflicht erzeugen. Finden Sie gemeinsam einen Rhythmus, der zu Dienstalltag und tatsächlichem Bedarf passt.
06
Was mache ich, wenn mein Kind am Telefon weint?
Bleiben Sie zunächst ruhig und hören Sie zu. Fragen Sie, was konkret passiert ist und ob Ihr Kind gerade sicher ist. Tränen allein bedeuten noch nicht, dass die Grundausbildung abgebrochen werden muss. Entscheidend ist der Grund und die Stärke der Belastung.
07
Wann sollte mein Kind professionelle Hilfe nutzen?
Wenn die Belastung stark ist, anhält, den Alltag deutlich beeinträchtigt oder gesundheitliche beziehungsweise psychische Beschwerden hinzukommen, sollte Ihr Kind eine geeignete Ansprechstelle vor Ort einbeziehen.
08
Welche Ansprechstellen gibt es?
Abhängig von der Situation kommen unter anderem Vorgesetzte, Sanitätsdienst, Psychologischer Dienst, Sozialdienst und Militärseelsorge infrage.
09
Was mache ich bei Aussagen über Selbstgefährdung?
Nehmen Sie solche Aussagen immer ernst und sorgen Sie dafür, dass sofort Unterstützung vor Ort einbezogen wird. Bei akuter Gefahr oder einem medizinischen Notfall gilt 112.
10
Hilft ein Wochenende zuhause?
Ja, das kann helfen. Schlaf, vertraute Umgebung und etwas Normalität können stabilisieren. Planen Sie das Wochenende möglichst nicht vollständig mit Terminen und Besuchen.
11
Ist starkes Heimweh ein Zeichen dafür, dass mein Kind für die Bundeswehr ungeeignet ist?
Nein. Heimweh allein erlaubt keine solche Schlussfolgerung. Entscheidend ist, ob Ihr Kind sich zunehmend anpasst oder ob eine anhaltende Belastung entsteht, die genauer betrachtet werden sollte.
Quellen zum Nachlesen
Bundeswehr: Heimatschutzausbildung bei der Bundeswehr – Die Bundeswehr erklärt hier die seit 2026 weiterentwickelte Grundausbildung, ihre Dauer von grundsätzlich drei Monaten, rund 500 Ausbildungsstunden und die wesentlichen Ausbildungsinhalte.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Informationen vor Beginn der Heimatschutzausbildung – Hier bündelt die Bundeswehr aktuelle Informationen für angehende Soldatinnen und Soldaten zu Ausbildung, Vorbereitung, Standorten und Ansprechstellen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Sozialdienst der Bundeswehr – Der Sozialdienst berät Bundeswehrangehörige und ihre Familien bei persönlichen, familiären und sozialen Fragestellungen und ist Teil des psychosozialen Unterstützungsnetzes der Bundeswehr.
sozialdienst.bundeswehr.de
sozialdienst.bundeswehr.de
Bundeswehr: Psychosoziale Unterstützung – Die Bundeswehr beschreibt hier das Zusammenspiel von Sozialdienst, Sanitätsdienst, Psychologischem Dienst und Militärseelsorge bei persönlichen, dienstlichen und familiären Belastungen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Militärseelsorge – Die Militärseelsorge bietet Soldatinnen und Soldaten sowie ihren Familien Gesprächs- und Unterstützungsangebote. Verschiedene Angebote stehen unabhängig von der Religionszugehörigkeit offen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Sanitätsdienst – Der Sanitätsdienst ist innerhalb der Bundeswehr für die medizinische Versorgung der Soldatinnen und Soldaten zuständig und damit bei gesundheitlichen Beschwerden eine wichtige Anlaufstelle.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Heimweh in den ersten Tagen oder Wochen der Grundausbildung ist zunächst eine mögliche Reaktion auf eine große Veränderung und erlaubt allein keine Aussage darüber, ob der Soldatenberuf grundsätzlich zu Ihrem Kind passt. Entscheidend sind Stärke, Dauer und Entwicklung der Belastung sowie mögliche zusätzliche gesundheitliche oder psychische Beschwerden. Wenn Ihr Kind seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann, über längere Zeit stark belastet ist oder von Selbstgefährdung berichtet, sollte unverzüglich professionelle Unterstützung vor Ort einbezogen werden. Bei akuter Gefahr oder einem medizinischen Notfall gilt 112.
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