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Basisausbildung
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Heimweh in der ersten Woche der Grundausbildung: Warum es normal ist und wie du damit umgehst
Körper und Kopf
Familie & Beziehung
Gez.



Daniel, Levin & Afsal
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Körper und Kopf
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Daniel, Levin & Afsal


Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Einordnung
Dieser Artikel gehört zum Thema Körper und Kopf der Soldateninitiative.
Er richtet sich an angehende Soldatinnen und Soldaten, die verstehen möchten, warum Heimweh in der ersten Woche auftreten kann und wie sie sinnvoll damit umgehen, ohne normale Eingewöhnung und ernsthafte psychische Belastung miteinander zu verwechseln.
Die ersten Tage bei der Bundeswehr können sich überraschend widersprüchlich anfühlen. Du hast dich vielleicht monatelang auf deinen Dienstantritt vorbereitet und wolltest endlich anfangen. Dann liegst du am dritten Abend auf deiner Stube, bist müde, vermisst dein eigenes Bett, deine Familie, deinen Partner oder deine Partnerin und fragst dich plötzlich, warum du überhaupt hier bist.
Das muss kein Zeichen dafür sein, dass deine Entscheidung falsch war. Mit dem Dienstantritt verändert sich innerhalb weniger Stunden sehr viel. Du schläfst in einer neuen Umgebung, teilst deinen Alltag mit bisher fremden Menschen, lernst neue Regeln und Begriffe kennen und kannst deinen Tagesablauf deutlich weniger selbst bestimmen als zuhause.
Gerade in dieser Umstellungsphase kann Heimweh auftreten. Wichtig ist deshalb nicht, jedes unangenehme Gefühl sofort wegzubekommen. Wichtiger ist, zwischen einer schwierigen Eingewöhnung und einer ernsthaften psychischen Belastung zu unterscheiden.
Die Grundregel für die ersten Tage lautet: Bewerte nicht deine gesamte Bundeswehrzeit anhand eines einzelnen schweren Abends. Kümmere dich um den nächsten überschaubaren Schritt und hol dir Unterstützung, wenn aus Heimweh eine Belastung wird, mit der du nicht mehr gut umgehen kannst.
Wenn du zuerst verstehen willst, wie du mit Zweifeln vor oder kurz nach dem Start umgehen kannst, lies diesen Artikel:
Selbstzweifel vor dem Dienstantritt: Was hilft und was nicht
Wenn du wissen willst, welche mentalen Routinen dir an anstrengenden Tagen helfen können, passt dieser Artikel:
Mentale Routinen für anstrengende Tage in der Grundausbildung
Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Einordnung
Dieser Artikel gehört zum Thema Körper und Kopf der Soldateninitiative.
Er richtet sich an angehende Soldatinnen und Soldaten, die verstehen möchten, warum Heimweh in der ersten Woche auftreten kann und wie sie sinnvoll damit umgehen, ohne normale Eingewöhnung und ernsthafte psychische Belastung miteinander zu verwechseln.
Die ersten Tage bei der Bundeswehr können sich überraschend widersprüchlich anfühlen. Du hast dich vielleicht monatelang auf deinen Dienstantritt vorbereitet und wolltest endlich anfangen. Dann liegst du am dritten Abend auf deiner Stube, bist müde, vermisst dein eigenes Bett, deine Familie, deinen Partner oder deine Partnerin und fragst dich plötzlich, warum du überhaupt hier bist.
Das muss kein Zeichen dafür sein, dass deine Entscheidung falsch war. Mit dem Dienstantritt verändert sich innerhalb weniger Stunden sehr viel. Du schläfst in einer neuen Umgebung, teilst deinen Alltag mit bisher fremden Menschen, lernst neue Regeln und Begriffe kennen und kannst deinen Tagesablauf deutlich weniger selbst bestimmen als zuhause.
Gerade in dieser Umstellungsphase kann Heimweh auftreten. Wichtig ist deshalb nicht, jedes unangenehme Gefühl sofort wegzubekommen. Wichtiger ist, zwischen einer schwierigen Eingewöhnung und einer ernsthaften psychischen Belastung zu unterscheiden.
Die Grundregel für die ersten Tage lautet: Bewerte nicht deine gesamte Bundeswehrzeit anhand eines einzelnen schweren Abends. Kümmere dich um den nächsten überschaubaren Schritt und hol dir Unterstützung, wenn aus Heimweh eine Belastung wird, mit der du nicht mehr gut umgehen kannst.
Wenn du zuerst verstehen willst, wie du mit Zweifeln vor oder kurz nach dem Start umgehen kannst, lies diesen Artikel:
Selbstzweifel vor dem Dienstantritt: Was hilft und was nicht
Wenn du wissen willst, welche mentalen Routinen dir an anstrengenden Tagen helfen können, passt dieser Artikel:
Mentale Routinen für anstrengende Tage in der Grundausbildung
[ Kurz gesagt ]
Wenn du in der ersten Woche deine Familie, deinen Partner, deine Freunde, dein eigenes Zimmer oder einfach deinen bisherigen Alltag vermisst, bist du damit nicht automatisch am falschen Ort.
Die ersten Tage der Heimatschutzausbildung Streitkräfte bringen viele Veränderungen gleichzeitig. Neue Menschen, feste Abläufe, Ausbildung, Einkleidung, Stube, Spind und eine ungewohnte Umgebung können anstrengend sein.
Mach aus einem schwierigen Abend deshalb nicht sofort eine endgültige Entscheidung. Frag dich zuerst, ob du ausreichend gegessen und getrunken hast, ob du einfach völlig müde bist, ob konkret etwas passiert ist oder ob du gerade vor allem dein gewohntes Leben vermisst.
Dann kümmerst du dich um die nächste Aufgabe, bereitest deine Sachen vor und schläfst möglichst ausreichend. Kontakt nach Hause darf helfen. Er sollte dir aber nicht zusätzlichen Druck machen.
Und wenn du merkst, dass es nicht mehr nur um Vermissen geht, sondern du beispielsweise anhaltend stark belastet bist, kaum noch schlafen oder essen kannst, starke Angst erlebst oder dich selbst gefährdet siehst, holst du dir Unterstützung.
Heimweh musst du nicht dramatisieren. Ernsthafte psychische Belastungen solltest du aber auch nicht herunterspielen.
[ Kurz gesagt ]
Wenn du in der ersten Woche deine Familie, deinen Partner, deine Freunde, dein eigenes Zimmer oder einfach deinen bisherigen Alltag vermisst, bist du damit nicht automatisch am falschen Ort.
Die ersten Tage der Heimatschutzausbildung Streitkräfte bringen viele Veränderungen gleichzeitig. Neue Menschen, feste Abläufe, Ausbildung, Einkleidung, Stube, Spind und eine ungewohnte Umgebung können anstrengend sein.
Mach aus einem schwierigen Abend deshalb nicht sofort eine endgültige Entscheidung. Frag dich zuerst, ob du ausreichend gegessen und getrunken hast, ob du einfach völlig müde bist, ob konkret etwas passiert ist oder ob du gerade vor allem dein gewohntes Leben vermisst.
Dann kümmerst du dich um die nächste Aufgabe, bereitest deine Sachen vor und schläfst möglichst ausreichend. Kontakt nach Hause darf helfen. Er sollte dir aber nicht zusätzlichen Druck machen.
Und wenn du merkst, dass es nicht mehr nur um Vermissen geht, sondern du beispielsweise anhaltend stark belastet bist, kaum noch schlafen oder essen kannst, starke Angst erlebst oder dich selbst gefährdet siehst, holst du dir Unterstützung.
Heimweh musst du nicht dramatisieren. Ernsthafte psychische Belastungen solltest du aber auch nicht herunterspielen.
[ Inhalt ]
01
Warum gerade die erste Woche schwierig sein kann
02
Was Heimweh eigentlich bedeuten kann
03
Warum Gefühle abends stärker wirken können
04
Was du in einem akuten Heimweh-Moment tun kannst
05
Warum der nächste Schritt oft hilfreicher ist als die nächsten Monate
06
Wie viel Kontakt nach Hause sinnvoll ist
07
Wann das Handy Heimweh verstärken kann
08
Was Familie und Beziehung jetzt von dir wissen sollten
09
Warum Kameradschaft beim Ankommen helfen kann
10
Warum Essen, Trinken und Schlaf relevant sind
11
Was „Leben in der Lage“ dir bringen kann
12
Wann du eine größere Entscheidung besser nicht im Affekt triffst
13
Wann du Unterstützung holen solltest
14
An wen kannst du dich konkret wenden?
15
Was gilt bei einer akuten Krise?
16
Wie du dich schon vor Dienstantritt vorbereiten kannst
17
Fazit
Häufige Fragen
Quellen zum Nachlesen
1. Warum gerade die erste Woche schwierig sein kann
Die erste Woche ist voll mit neuen Eindrücken. Die Bundeswehr beschreibt diese Phase unter anderem mit Administration, ersten militärischen Abläufen, Kennenlernen des Ausbildungspersonals, Untersuchungen und Einkleidung.
Dazu kommt dein persönlicher Alltag. Du lernst deine Stube kennen, musst deine Sachen organisieren, bekommst viele neue Informationen und gewöhnst dich an feste Zeiten.
Was zuhause selbstverständlich war, funktioniert plötzlich anders. Du kannst nicht jederzeit machen, worauf du gerade Lust hast. Gleichzeitig kennst du die neuen Routinen noch nicht gut genug, damit sie sich selbstverständlich anfühlen.
Diese Kombination kann emotional anstrengend sein. Gib dir deshalb Zeit, überhaupt erst anzukommen.
2. Was Heimweh eigentlich bedeuten kann
Heimweh ist nicht immer nur der Wunsch, wieder im eigenen Kinderzimmer zu liegen. Du kannst ganz unterschiedliche Dinge vermissen: deine Familie, deinen Partner oder deine Partnerin, Freunde, Haustiere, Privatsphäre, vertraute Abläufe oder einfach das Gefühl, genau zu wissen, wie dein Tag funktioniert.
Manchmal vermisst du deshalb weniger einen bestimmten Ort als die Vertrautheit deines bisherigen Lebens. Das ist für den Umgang damit wichtig.
Wenn du weißt, was dir konkret fehlt, kannst du besser überlegen, was dir gerade hilft.
Konkretes Beispiel
Du denkst abends ständig: „Ich will nach Hause.“ Wenn du genauer hinschaust, stellst du fest, dass du deine Familie zwar vermisst, dich aber vor allem völlig erschöpft und überfordert von den vielen neuen Informationen fühlst.
Dann ist die Lösung möglicherweise nicht eine stundenlange Diskussion darüber, ob du deinen Dienst abbrechen solltest. Vielleicht brauchst du zuerst Essen, Ruhe, vorbereitete Sachen für den nächsten Morgen und Schlaf.
Am nächsten Tag kannst du die Situation wesentlich klarer beurteilen.
3. Warum Gefühle abends stärker wirken können
Nach einem langen Ausbildungstag bist du möglicherweise körperlich und mental müde. Tagsüber hast du Aufgaben und wenig Zeit, ausführlich über zuhause nachzudenken.
Abends wird es ruhiger. Dann hast du dein Handy in der Hand, liest Nachrichten und siehst vielleicht Bilder aus deinem bisherigen Alltag. Gleichzeitig weißt du, dass am nächsten Morgen der nächste Ausbildungstag beginnt.
Dadurch kann sich ein unangenehmes Gefühl deutlich größer anfühlen. Nimm einen schweren Abend ernst, aber interpretiere ihn nicht automatisch als endgültiges Urteil über deine gesamte Dienstzeit.
Schlaf ist keine Lösung für jedes psychische Problem. Aber Erschöpfung ist auch kein guter Zustand für weitreichende Entscheidungen.
4. Was du in einem akuten Heimweh-Moment tun kannst
Mach es zunächst einfach. Versuch nicht, innerhalb von zehn Minuten dein gesamtes Leben zu analysieren.
Sortiere zuerst deine unmittelbare Situation. Hast du gegessen? Hast du genug getrunken? Bist du körperlich erschöpft? Sind deine Sachen für den nächsten Tag vorbereitet? Gibt es ein konkretes Problem, das dich belastet?
Anschließend konzentrierst du dich auf eine überschaubare Aufgabe. Du kannst beispielsweise deine Ausrüstung vorbereiten, duschen, deine Sachen ordnen oder eine kurze Nachricht nach Hause schicken.
Das Ziel ist nicht, Gefühle zu verdrängen. Du bringst lediglich wieder Struktur in den Moment.
5. Warum der nächste Schritt oft hilfreicher ist als die nächsten Monate
In der ersten Woche bringt es wenig, jeden schwierigen Moment gedanklich auf deine gesamte Verpflichtungszeit hochzurechnen. Wenn du gerade erschöpft auf deiner Stube sitzt, musst du nicht beantworten, wie du dich in sechs Monaten fühlen wirst.
Konzentrier dich auf das, was unmittelbar vor dir liegt. Was brauchst du morgen? Wann musst du aufstehen? Ist deine Ausrüstung vorbereitet? Was ist die nächste Aufgabe?
Mit jedem Tag werden einige Abläufe vertrauter. Du weißt irgendwann, wo du hinmusst, wo deine Sachen liegen und welche Menschen um dich herum sind.
Dadurch verschwindet nicht automatisch jedes Problem. Aber ein großer Teil der anfänglichen Unsicherheit kann kleiner werden.
6. Wie viel Kontakt nach Hause sinnvoll ist
Kontakt zu vertrauten Menschen kann sehr guttun. Es gibt aber keine perfekte Anzahl an Nachrichten oder Telefonaten, die für alle funktioniert.
Entscheidend ist, dass der Kontakt dich unterstützt und nicht zusätzlich belastet. Erklär deiner Familie oder deinem Partner deshalb möglichst früh, dass deine Antwortzeiten in der Ausbildung anders sein können als zuhause.
Eine kurze Nachricht wie „Langer Tag, bin müde, alles okay, melde mich wieder“ kann vollkommen ausreichen. Du musst nach einem anstrengenden Ausbildungstag nicht jeden Abend einen ausführlichen Lagebericht abgeben.
Konkretes Beispiel
Deine Familie schreibt dir mehrfach hintereinander, weil du seit dem Nachmittag nicht geantwortet hast. Du merkst, dass dich das zusätzlich stresst.
Dann kannst du beim nächsten Gespräch ruhig erklären, dass du während des Dienstes nicht ständig am Handy bist und eine kurze Nachricht am Abend für die ersten Tage realistischer ist.
Damit weiß deine Familie, woran sie ist, und du hast weniger Druck.
7. Wann das Handy Heimweh verstärken kann
Dein Smartphone ist nicht automatisch gut oder schlecht. Es kommt darauf an, wie du es nutzt.
Ein kurzes Gespräch mit einem vertrauten Menschen kann dir Stabilität geben. Wenn du dagegen einen großen Teil deiner freien Zeit damit verbringst, alte Bilder anzuschauen, jede Aktivität deiner Freunde zu verfolgen und ständig darüber nachzudenken, was du zuhause gerade verpassen könntest, kann dir das Ankommen schwerer fallen.
Beobachte deshalb, wie es dir nach dem Handykontakt geht. Fühlst du dich ruhiger und unterstützt, ist das ein gutes Zeichen.
Bist du danach jedes Mal deutlich aufgewühlter, lohnt es sich, deine Nutzung etwas zu verändern. Du musst nicht komplett offline gehen. Nutze das Handy bewusst.
8. Was Familie und Beziehung jetzt von dir wissen sollten
Die Menschen zuhause erleben deinen neuen Alltag nicht selbst. Wenn du plötzlich deutlich weniger schreibst, können sie das falsch interpretieren.
Erklär deshalb möglichst konkret, was sich verändert hat. Du hast Dienstzeiten, Ausbildung und einen neuen Tagesrhythmus. Manchmal bist du abends schlicht müde.
Eine verspätete Antwort bedeutet deshalb nicht automatisch, dass etwas passiert ist oder dass du kein Interesse mehr an deinem bisherigen Umfeld hast.
Genauso wichtig ist die andere Richtung. Wenn du Heimweh hast, darfst du das sagen. Du musst zuhause keine künstliche Erfolgsgeschichte erzählen.
Versuch nur, zwischen „Heute war ein schwieriger Tag“ und „Ich habe eine endgültige Entscheidung getroffen“ zu unterscheiden.
9. Warum Kameradschaft beim Ankommen helfen kann
In deiner Stube und Gruppe sitzen wahrscheinlich Menschen, die ebenfalls gerade einen großen Wechsel erleben. Nicht jeder zeigt Unsicherheit gleich offen.
Manche reden viel. Manche werden still. Manche wirken vom ersten Tag an vollkommen souverän. Vergleich dein Innenleben deshalb nicht mit dem äußeren Auftreten anderer.
Du musst in der ersten Woche auch keine besten Freunde finden. Fang kleiner an. Beteilig dich an Gesprächen, hilf bei gemeinsamen Aufgaben und nimm Hilfe an, wenn du sie brauchst.
Kameradschaft entsteht häufig über gemeinsam bewältigte Aufgaben und Zuverlässigkeit. Mit zunehmender Vertrautheit kann dadurch auch das Gefühl abnehmen, an einem völlig fremden Ort zu sein.
10. Warum Essen, Trinken und Schlaf relevant sind
Körperliche Grundbedürfnisse lösen nicht jedes emotionale Problem. Sie beeinflussen aber, wie belastbar du dich fühlst.
Wenn du nach einem langen Tag wenig gegessen hast, durstig bist und Schlaf nachholen müsstest, ist das kein guter Ausgangspunkt für stundenlanges Grübeln. Deshalb gehört zu einem schwierigen Abend auch ein kurzer körperlicher Check.
Iss vernünftig, auch wenn du wenig Appetit hast. Trink ausreichend. Kümmere dich um deine Körperpflege und versuch, deine Schlafzeit nicht unnötig mit dem Smartphone zu verkürzen.
Wenn du dagegen über längere Zeit kaum schlafen oder essen kannst, ist das nicht mehr nur ein Tipp zur Abendroutine. Dann solltest du das ansprechen und dir Unterstützung holen.
11. Was „Leben in der Lage“ dir bringen kann
„Leben in der Lage“ ist eine Formulierung, die dir im militärischen Umfeld begegnen kann. Für den Umgang mit Heimweh lässt sie sich als einfache Denkweise nutzen: Du arbeitest mit der Situation, die gerade tatsächlich da ist.
Heute war anstrengend. Du vermisst zuhause. Morgen steht wieder Ausbildung an. Diese Dinge kannst du anerkennen, ohne sofort eine Katastrophe daraus zu machen.
Die nächste Frage lautet dann: Was ist jetzt sinnvoll?
Vielleicht ist es ein Gespräch. Vielleicht Essen und Schlaf. Vielleicht die Vorbereitung für morgen. Vielleicht brauchst du professionelle Unterstützung.
Diese Frage ist hilfreicher, als stundenlang darüber nachzudenken, warum du dich gerade anders fühlst, als du es vor dem Dienstantritt erwartet hast.
12. Wann du eine größere Entscheidung besser nicht im Affekt triffst
Ein schwerer Abend kann den Gedanken auslösen: „Ich will sofort weg.“ Nimm diesen Gedanken wahr.
Wenn keine akute Gefahr besteht, musst du daraus aber nicht in derselben Minute eine weitreichende Entscheidung machen. Schlaf darüber, sortiere am nächsten Tag die konkreten Gründe und sprich gegebenenfalls mit einer geeigneten Ansprechperson.
Vielleicht ist es Heimweh. Vielleicht gibt es ein konkretes Problem in der Ausbildung. Vielleicht belastet dich etwas Privates. Vielleicht stellst du tatsächlich fest, dass du eine grundsätzliche Frage zu deinem weiteren Dienst klären möchtest.
Diese Dinge lassen sich besser auseinanderhalten, wenn du nicht ausschließlich aus dem emotional schwierigsten Moment heraus entscheidest.
13. Wann du Unterstützung holen solltest
Hier solltest du klar unterscheiden. Ein Abend, an dem du deine Familie stark vermisst und traurig bist, ist etwas anderes als eine anhaltende schwere psychische Belastung.
Wenn du merkst, dass du über längere Zeit kaum schlafen oder essen kannst, starke Angst oder Panik erlebst, dich zunehmend isolierst oder im Alltag kaum noch zurechtkommst, solltest du Unterstützung suchen.
Die Bundeswehr selbst weist darauf hin, dass bei psychischen Belastungen verschiedene professionelle Angebote zur Verfügung stehen.
Dazu gehören der Sanitätsdienst, der Psychologische Dienst, der Sozialdienst und die Militärseelsorge. Dein Ausbildungspersonal kann dir ebenfalls helfen, die passende Ansprechstelle zu finden. Der Psychologische Dienst bietet ausdrücklich Beratung bei persönlichen und dienstlichen Belastungen.
Du musst nicht erst warten, bis gar nichts mehr geht.
14. An wen kannst du dich konkret wenden?
Bei einem normalen schwierigen Tag kann schon ein Gespräch mit einem Kameraden oder deinem Ausbildungspersonal helfen. Wenn die Belastung größer wird, gibt es weitere Möglichkeiten.
Der Sanitätsdienst ist bei gesundheitlichen Beschwerden die medizinische Anlaufstelle. Der Psychologische Dienst der Bundeswehr berät Soldatinnen und Soldaten bei persönlichen und dienstlichen Belastungen.
Der Sozialdienst der Bundeswehr unterstützt Bundeswehrangehörige und ihre Familien bei sozialen und psychosozialen Anliegen. Seine Beratung ist bundesweit verfügbar.
Die Militärseelsorge bietet Gespräche, Begleitung und Unterstützung im täglichen Dienst und arbeitet bei Bedarf mit weiteren Betreuungsstellen zusammen.
Du musst vorher nicht selbst perfekt entscheiden, welche Stelle für dein Problem zuständig ist. Sprich es an. Dann kann der passende Weg gefunden werden.
15. Was gilt bei einer akuten Krise?
Wenn du dich selbst gefährdet siehst, Suizidgedanken hast oder eine andere akute medizinische beziehungsweise psychische Notsituation besteht, behandle das nicht als gewöhnliches Heimweh. Hol sofort Hilfe.
Innerhalb des Dienstes kannst du unmittelbar Ausbildungspersonal, Vorgesetzte oder den Sanitätsdienst ansprechen. Bei einem akuten Notfall gilt die 112.
Die Bundeswehr führt außerdem auf ihrer aktuellen Seite „Hilfe in Notlagen“ verschiedene interne und externe Ansprechstellen auf. Außerhalb der regulären Dienstzeit ist dort auch der ärztliche Bereitschaftsdienst der Bundeswehr unter 0800 9726378 aufgeführt.
Rund um die Uhr erreichbar sind außerdem die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 1110222, kostenlos und anonym, sowie die PTBS-Hotline der Bundeswehr unter 0800 5887957. In akuter Gefahr wählst du 112.
In einer akuten Krise geht es nicht darum, besonders belastbar zu wirken. Es geht darum, schnell die richtige Unterstützung zu bekommen.
16. Wie du dich schon vor Dienstantritt vorbereiten kannst
Du kannst nicht planen, wie du dich an deinem dritten Abend auf Stube fühlen wirst. Du kannst aber einige Rahmenbedingungen vorbereiten.
Sprich mit deiner Familie oder deinem Partner darüber, dass du während der Ausbildung nicht ständig erreichbar sein wirst. Klär wichtige private Angelegenheiten rechtzeitig.
Bereite deine Packliste und Unterlagen so vor, dass du nicht mit vermeidbarem Chaos anreist. Stell deinen Schlafrhythmus vor dem Dienstantritt möglichst sinnvoll um.
Und überleg dir, warum du diesen Weg begonnen hast. Nicht als Motivationsspruch. Eine ehrliche persönliche Antwort kann dir helfen, einen schwierigen Tag in den größeren Zusammenhang einzuordnen.
Konkretes Beispiel
Du startest mit dem Ziel, herauszufinden, ob der Soldatenberuf langfristig zu dir passt. Am vierten Abend hast du starkes Heimweh.
Dann musst du dir nicht einreden, dass alles großartig ist. Du kannst dir stattdessen sagen: „Heute ist schwer. Mein Ziel war aber, diesen Alltag kennenzulernen. Ich kümmere mich jetzt um morgen und bewerte meinen Weg nicht ausschließlich anhand dieses Abends.“
Das ist weder Durchhalteparole noch Verdrängung. Es ist eine vernünftige zeitliche Einordnung.
17. Fazit
Heimweh in der ersten Woche ist kein guter Grund, dich selbst sofort als ungeeignet einzustufen. Du hast gerade einen erheblichen Wechsel hinter dir. Neue Umgebung, neue Menschen, feste Abläufe, Ausbildung und weniger Privatsphäre können sich in den ersten Tagen ungewohnt und anstrengend anfühlen.
Deshalb musst du einen schweren Abend weder dramatisieren noch kleinreden. Sortiere zuerst, was dich gerade belastet. Kümmere dich um Essen, Trinken, Körperpflege, Vorbereitung und Schlaf.
Halte Kontakt nach Hause so, dass er dir guttut. Konzentrier dich anschließend auf den nächsten überschaubaren Schritt.
Wenn die Belastung stärker wird oder anhält, sprich darüber. Die Bundeswehr verfügt über Ausbildungspersonal, Sanitätsdienst, Psychologischen Dienst, Sozialdienst und Militärseelsorge als mögliche Anlaufstellen.
Belastbarkeit bedeutet nicht, jedes Problem allein lösen zu müssen.
Vorbereitung mit der Soldateninitiative
Die Soldateninitiative hilft dir dabei, dich nicht nur organisatorisch, sondern auch mental auf die ersten Wochen bei der Bundeswehr vorzubereiten.
Beim Thema Heimweh bringt dir Mission Grundausbildung: Bist du bereit? vor allem realistische Erwartungen. Du kannst vorab klären, wie sich dein Tagesablauf verändert, wie du den Kontakt nach Hause organisierst, welche Routinen dir beim Ankommen helfen und an wen du dich wenden kannst, wenn aus einem schwierigen Start eine ernsthafte Belastung wird. Mit Mission Grundausbildung: Bist du bereit? bereitest du dich strukturiert auf deinen Dienstantritt und deine ersten Wochen bei der Bundeswehr vor, auch auf die Momente, in denen Heimweh auftaucht.
Du musst vor deinem Start nicht wissen, wie du dich in jeder Situation fühlen wirst. Wenn du aber verstehst, dass ein schwerer erster Abend noch kein Urteil über deinen gesamten Weg ist und dass Unterstützung verfügbar ist, gehst du mit einer deutlich realistischeren Erwartung in die ersten Tage.
1. Warum gerade die erste Woche schwierig sein kann
Die erste Woche ist voll mit neuen Eindrücken. Die Bundeswehr beschreibt diese Phase unter anderem mit Administration, ersten militärischen Abläufen, Kennenlernen des Ausbildungspersonals, Untersuchungen und Einkleidung.
Dazu kommt dein persönlicher Alltag. Du lernst deine Stube kennen, musst deine Sachen organisieren, bekommst viele neue Informationen und gewöhnst dich an feste Zeiten.
Was zuhause selbstverständlich war, funktioniert plötzlich anders. Du kannst nicht jederzeit machen, worauf du gerade Lust hast. Gleichzeitig kennst du die neuen Routinen noch nicht gut genug, damit sie sich selbstverständlich anfühlen.
Diese Kombination kann emotional anstrengend sein. Gib dir deshalb Zeit, überhaupt erst anzukommen.
2. Was Heimweh eigentlich bedeuten kann
Heimweh ist nicht immer nur der Wunsch, wieder im eigenen Kinderzimmer zu liegen. Du kannst ganz unterschiedliche Dinge vermissen: deine Familie, deinen Partner oder deine Partnerin, Freunde, Haustiere, Privatsphäre, vertraute Abläufe oder einfach das Gefühl, genau zu wissen, wie dein Tag funktioniert.
Manchmal vermisst du deshalb weniger einen bestimmten Ort als die Vertrautheit deines bisherigen Lebens. Das ist für den Umgang damit wichtig.
Wenn du weißt, was dir konkret fehlt, kannst du besser überlegen, was dir gerade hilft.
Konkretes Beispiel
Du denkst abends ständig: „Ich will nach Hause.“ Wenn du genauer hinschaust, stellst du fest, dass du deine Familie zwar vermisst, dich aber vor allem völlig erschöpft und überfordert von den vielen neuen Informationen fühlst.
Dann ist die Lösung möglicherweise nicht eine stundenlange Diskussion darüber, ob du deinen Dienst abbrechen solltest. Vielleicht brauchst du zuerst Essen, Ruhe, vorbereitete Sachen für den nächsten Morgen und Schlaf.
Am nächsten Tag kannst du die Situation wesentlich klarer beurteilen.
3. Warum Gefühle abends stärker wirken können
Nach einem langen Ausbildungstag bist du möglicherweise körperlich und mental müde. Tagsüber hast du Aufgaben und wenig Zeit, ausführlich über zuhause nachzudenken.
Abends wird es ruhiger. Dann hast du dein Handy in der Hand, liest Nachrichten und siehst vielleicht Bilder aus deinem bisherigen Alltag. Gleichzeitig weißt du, dass am nächsten Morgen der nächste Ausbildungstag beginnt.
Dadurch kann sich ein unangenehmes Gefühl deutlich größer anfühlen. Nimm einen schweren Abend ernst, aber interpretiere ihn nicht automatisch als endgültiges Urteil über deine gesamte Dienstzeit.
Schlaf ist keine Lösung für jedes psychische Problem. Aber Erschöpfung ist auch kein guter Zustand für weitreichende Entscheidungen.
4. Was du in einem akuten Heimweh-Moment tun kannst
Mach es zunächst einfach. Versuch nicht, innerhalb von zehn Minuten dein gesamtes Leben zu analysieren.
Sortiere zuerst deine unmittelbare Situation. Hast du gegessen? Hast du genug getrunken? Bist du körperlich erschöpft? Sind deine Sachen für den nächsten Tag vorbereitet? Gibt es ein konkretes Problem, das dich belastet?
Anschließend konzentrierst du dich auf eine überschaubare Aufgabe. Du kannst beispielsweise deine Ausrüstung vorbereiten, duschen, deine Sachen ordnen oder eine kurze Nachricht nach Hause schicken.
Das Ziel ist nicht, Gefühle zu verdrängen. Du bringst lediglich wieder Struktur in den Moment.
5. Warum der nächste Schritt oft hilfreicher ist als die nächsten Monate
In der ersten Woche bringt es wenig, jeden schwierigen Moment gedanklich auf deine gesamte Verpflichtungszeit hochzurechnen. Wenn du gerade erschöpft auf deiner Stube sitzt, musst du nicht beantworten, wie du dich in sechs Monaten fühlen wirst.
Konzentrier dich auf das, was unmittelbar vor dir liegt. Was brauchst du morgen? Wann musst du aufstehen? Ist deine Ausrüstung vorbereitet? Was ist die nächste Aufgabe?
Mit jedem Tag werden einige Abläufe vertrauter. Du weißt irgendwann, wo du hinmusst, wo deine Sachen liegen und welche Menschen um dich herum sind.
Dadurch verschwindet nicht automatisch jedes Problem. Aber ein großer Teil der anfänglichen Unsicherheit kann kleiner werden.
6. Wie viel Kontakt nach Hause sinnvoll ist
Kontakt zu vertrauten Menschen kann sehr guttun. Es gibt aber keine perfekte Anzahl an Nachrichten oder Telefonaten, die für alle funktioniert.
Entscheidend ist, dass der Kontakt dich unterstützt und nicht zusätzlich belastet. Erklär deiner Familie oder deinem Partner deshalb möglichst früh, dass deine Antwortzeiten in der Ausbildung anders sein können als zuhause.
Eine kurze Nachricht wie „Langer Tag, bin müde, alles okay, melde mich wieder“ kann vollkommen ausreichen. Du musst nach einem anstrengenden Ausbildungstag nicht jeden Abend einen ausführlichen Lagebericht abgeben.
Konkretes Beispiel
Deine Familie schreibt dir mehrfach hintereinander, weil du seit dem Nachmittag nicht geantwortet hast. Du merkst, dass dich das zusätzlich stresst.
Dann kannst du beim nächsten Gespräch ruhig erklären, dass du während des Dienstes nicht ständig am Handy bist und eine kurze Nachricht am Abend für die ersten Tage realistischer ist.
Damit weiß deine Familie, woran sie ist, und du hast weniger Druck.
7. Wann das Handy Heimweh verstärken kann
Dein Smartphone ist nicht automatisch gut oder schlecht. Es kommt darauf an, wie du es nutzt.
Ein kurzes Gespräch mit einem vertrauten Menschen kann dir Stabilität geben. Wenn du dagegen einen großen Teil deiner freien Zeit damit verbringst, alte Bilder anzuschauen, jede Aktivität deiner Freunde zu verfolgen und ständig darüber nachzudenken, was du zuhause gerade verpassen könntest, kann dir das Ankommen schwerer fallen.
Beobachte deshalb, wie es dir nach dem Handykontakt geht. Fühlst du dich ruhiger und unterstützt, ist das ein gutes Zeichen.
Bist du danach jedes Mal deutlich aufgewühlter, lohnt es sich, deine Nutzung etwas zu verändern. Du musst nicht komplett offline gehen. Nutze das Handy bewusst.
8. Was Familie und Beziehung jetzt von dir wissen sollten
Die Menschen zuhause erleben deinen neuen Alltag nicht selbst. Wenn du plötzlich deutlich weniger schreibst, können sie das falsch interpretieren.
Erklär deshalb möglichst konkret, was sich verändert hat. Du hast Dienstzeiten, Ausbildung und einen neuen Tagesrhythmus. Manchmal bist du abends schlicht müde.
Eine verspätete Antwort bedeutet deshalb nicht automatisch, dass etwas passiert ist oder dass du kein Interesse mehr an deinem bisherigen Umfeld hast.
Genauso wichtig ist die andere Richtung. Wenn du Heimweh hast, darfst du das sagen. Du musst zuhause keine künstliche Erfolgsgeschichte erzählen.
Versuch nur, zwischen „Heute war ein schwieriger Tag“ und „Ich habe eine endgültige Entscheidung getroffen“ zu unterscheiden.
9. Warum Kameradschaft beim Ankommen helfen kann
In deiner Stube und Gruppe sitzen wahrscheinlich Menschen, die ebenfalls gerade einen großen Wechsel erleben. Nicht jeder zeigt Unsicherheit gleich offen.
Manche reden viel. Manche werden still. Manche wirken vom ersten Tag an vollkommen souverän. Vergleich dein Innenleben deshalb nicht mit dem äußeren Auftreten anderer.
Du musst in der ersten Woche auch keine besten Freunde finden. Fang kleiner an. Beteilig dich an Gesprächen, hilf bei gemeinsamen Aufgaben und nimm Hilfe an, wenn du sie brauchst.
Kameradschaft entsteht häufig über gemeinsam bewältigte Aufgaben und Zuverlässigkeit. Mit zunehmender Vertrautheit kann dadurch auch das Gefühl abnehmen, an einem völlig fremden Ort zu sein.
10. Warum Essen, Trinken und Schlaf relevant sind
Körperliche Grundbedürfnisse lösen nicht jedes emotionale Problem. Sie beeinflussen aber, wie belastbar du dich fühlst.
Wenn du nach einem langen Tag wenig gegessen hast, durstig bist und Schlaf nachholen müsstest, ist das kein guter Ausgangspunkt für stundenlanges Grübeln. Deshalb gehört zu einem schwierigen Abend auch ein kurzer körperlicher Check.
Iss vernünftig, auch wenn du wenig Appetit hast. Trink ausreichend. Kümmere dich um deine Körperpflege und versuch, deine Schlafzeit nicht unnötig mit dem Smartphone zu verkürzen.
Wenn du dagegen über längere Zeit kaum schlafen oder essen kannst, ist das nicht mehr nur ein Tipp zur Abendroutine. Dann solltest du das ansprechen und dir Unterstützung holen.
11. Was „Leben in der Lage“ dir bringen kann
„Leben in der Lage“ ist eine Formulierung, die dir im militärischen Umfeld begegnen kann. Für den Umgang mit Heimweh lässt sie sich als einfache Denkweise nutzen: Du arbeitest mit der Situation, die gerade tatsächlich da ist.
Heute war anstrengend. Du vermisst zuhause. Morgen steht wieder Ausbildung an. Diese Dinge kannst du anerkennen, ohne sofort eine Katastrophe daraus zu machen.
Die nächste Frage lautet dann: Was ist jetzt sinnvoll?
Vielleicht ist es ein Gespräch. Vielleicht Essen und Schlaf. Vielleicht die Vorbereitung für morgen. Vielleicht brauchst du professionelle Unterstützung.
Diese Frage ist hilfreicher, als stundenlang darüber nachzudenken, warum du dich gerade anders fühlst, als du es vor dem Dienstantritt erwartet hast.
12. Wann du eine größere Entscheidung besser nicht im Affekt triffst
Ein schwerer Abend kann den Gedanken auslösen: „Ich will sofort weg.“ Nimm diesen Gedanken wahr.
Wenn keine akute Gefahr besteht, musst du daraus aber nicht in derselben Minute eine weitreichende Entscheidung machen. Schlaf darüber, sortiere am nächsten Tag die konkreten Gründe und sprich gegebenenfalls mit einer geeigneten Ansprechperson.
Vielleicht ist es Heimweh. Vielleicht gibt es ein konkretes Problem in der Ausbildung. Vielleicht belastet dich etwas Privates. Vielleicht stellst du tatsächlich fest, dass du eine grundsätzliche Frage zu deinem weiteren Dienst klären möchtest.
Diese Dinge lassen sich besser auseinanderhalten, wenn du nicht ausschließlich aus dem emotional schwierigsten Moment heraus entscheidest.
13. Wann du Unterstützung holen solltest
Hier solltest du klar unterscheiden. Ein Abend, an dem du deine Familie stark vermisst und traurig bist, ist etwas anderes als eine anhaltende schwere psychische Belastung.
Wenn du merkst, dass du über längere Zeit kaum schlafen oder essen kannst, starke Angst oder Panik erlebst, dich zunehmend isolierst oder im Alltag kaum noch zurechtkommst, solltest du Unterstützung suchen.
Die Bundeswehr selbst weist darauf hin, dass bei psychischen Belastungen verschiedene professionelle Angebote zur Verfügung stehen.
Dazu gehören der Sanitätsdienst, der Psychologische Dienst, der Sozialdienst und die Militärseelsorge. Dein Ausbildungspersonal kann dir ebenfalls helfen, die passende Ansprechstelle zu finden. Der Psychologische Dienst bietet ausdrücklich Beratung bei persönlichen und dienstlichen Belastungen.
Du musst nicht erst warten, bis gar nichts mehr geht.
14. An wen kannst du dich konkret wenden?
Bei einem normalen schwierigen Tag kann schon ein Gespräch mit einem Kameraden oder deinem Ausbildungspersonal helfen. Wenn die Belastung größer wird, gibt es weitere Möglichkeiten.
Der Sanitätsdienst ist bei gesundheitlichen Beschwerden die medizinische Anlaufstelle. Der Psychologische Dienst der Bundeswehr berät Soldatinnen und Soldaten bei persönlichen und dienstlichen Belastungen.
Der Sozialdienst der Bundeswehr unterstützt Bundeswehrangehörige und ihre Familien bei sozialen und psychosozialen Anliegen. Seine Beratung ist bundesweit verfügbar.
Die Militärseelsorge bietet Gespräche, Begleitung und Unterstützung im täglichen Dienst und arbeitet bei Bedarf mit weiteren Betreuungsstellen zusammen.
Du musst vorher nicht selbst perfekt entscheiden, welche Stelle für dein Problem zuständig ist. Sprich es an. Dann kann der passende Weg gefunden werden.
15. Was gilt bei einer akuten Krise?
Wenn du dich selbst gefährdet siehst, Suizidgedanken hast oder eine andere akute medizinische beziehungsweise psychische Notsituation besteht, behandle das nicht als gewöhnliches Heimweh. Hol sofort Hilfe.
Innerhalb des Dienstes kannst du unmittelbar Ausbildungspersonal, Vorgesetzte oder den Sanitätsdienst ansprechen. Bei einem akuten Notfall gilt die 112.
Die Bundeswehr führt außerdem auf ihrer aktuellen Seite „Hilfe in Notlagen“ verschiedene interne und externe Ansprechstellen auf. Außerhalb der regulären Dienstzeit ist dort auch der ärztliche Bereitschaftsdienst der Bundeswehr unter 0800 9726378 aufgeführt.
Rund um die Uhr erreichbar sind außerdem die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 1110222, kostenlos und anonym, sowie die PTBS-Hotline der Bundeswehr unter 0800 5887957. In akuter Gefahr wählst du 112.
In einer akuten Krise geht es nicht darum, besonders belastbar zu wirken. Es geht darum, schnell die richtige Unterstützung zu bekommen.
16. Wie du dich schon vor Dienstantritt vorbereiten kannst
Du kannst nicht planen, wie du dich an deinem dritten Abend auf Stube fühlen wirst. Du kannst aber einige Rahmenbedingungen vorbereiten.
Sprich mit deiner Familie oder deinem Partner darüber, dass du während der Ausbildung nicht ständig erreichbar sein wirst. Klär wichtige private Angelegenheiten rechtzeitig.
Bereite deine Packliste und Unterlagen so vor, dass du nicht mit vermeidbarem Chaos anreist. Stell deinen Schlafrhythmus vor dem Dienstantritt möglichst sinnvoll um.
Und überleg dir, warum du diesen Weg begonnen hast. Nicht als Motivationsspruch. Eine ehrliche persönliche Antwort kann dir helfen, einen schwierigen Tag in den größeren Zusammenhang einzuordnen.
Konkretes Beispiel
Du startest mit dem Ziel, herauszufinden, ob der Soldatenberuf langfristig zu dir passt. Am vierten Abend hast du starkes Heimweh.
Dann musst du dir nicht einreden, dass alles großartig ist. Du kannst dir stattdessen sagen: „Heute ist schwer. Mein Ziel war aber, diesen Alltag kennenzulernen. Ich kümmere mich jetzt um morgen und bewerte meinen Weg nicht ausschließlich anhand dieses Abends.“
Das ist weder Durchhalteparole noch Verdrängung. Es ist eine vernünftige zeitliche Einordnung.
17. Fazit
Heimweh in der ersten Woche ist kein guter Grund, dich selbst sofort als ungeeignet einzustufen. Du hast gerade einen erheblichen Wechsel hinter dir. Neue Umgebung, neue Menschen, feste Abläufe, Ausbildung und weniger Privatsphäre können sich in den ersten Tagen ungewohnt und anstrengend anfühlen.
Deshalb musst du einen schweren Abend weder dramatisieren noch kleinreden. Sortiere zuerst, was dich gerade belastet. Kümmere dich um Essen, Trinken, Körperpflege, Vorbereitung und Schlaf.
Halte Kontakt nach Hause so, dass er dir guttut. Konzentrier dich anschließend auf den nächsten überschaubaren Schritt.
Wenn die Belastung stärker wird oder anhält, sprich darüber. Die Bundeswehr verfügt über Ausbildungspersonal, Sanitätsdienst, Psychologischen Dienst, Sozialdienst und Militärseelsorge als mögliche Anlaufstellen.
Belastbarkeit bedeutet nicht, jedes Problem allein lösen zu müssen.
Vorbereitung mit der Soldateninitiative
Die Soldateninitiative hilft dir dabei, dich nicht nur organisatorisch, sondern auch mental auf die ersten Wochen bei der Bundeswehr vorzubereiten.
Beim Thema Heimweh bringt dir Mission Grundausbildung: Bist du bereit? vor allem realistische Erwartungen. Du kannst vorab klären, wie sich dein Tagesablauf verändert, wie du den Kontakt nach Hause organisierst, welche Routinen dir beim Ankommen helfen und an wen du dich wenden kannst, wenn aus einem schwierigen Start eine ernsthafte Belastung wird. Mit Mission Grundausbildung: Bist du bereit? bereitest du dich strukturiert auf deinen Dienstantritt und deine ersten Wochen bei der Bundeswehr vor, auch auf die Momente, in denen Heimweh auftaucht.
Du musst vor deinem Start nicht wissen, wie du dich in jeder Situation fühlen wirst. Wenn du aber verstehst, dass ein schwerer erster Abend noch kein Urteil über deinen gesamten Weg ist und dass Unterstützung verfügbar ist, gehst du mit einer deutlich realistischeren Erwartung in die ersten Tage.
Häufige Fragen
01
Ist Heimweh in der ersten Woche der Grundausbildung ungewöhnlich?
Nein. Die Umstellung auf eine neue Umgebung, neue Menschen und feste Abläufe kann dazu führen, dass du dein vertrautes Zuhause stark vermisst. Daraus folgt allein noch nichts über deine Eignung für den Soldatenberuf.
02
Bedeutet Heimweh, dass die Bundeswehr nichts für mich ist?
Nicht automatisch. Ein Gefühl in den ersten Tagen beantwortet diese langfristige Frage nicht. Schau darauf, was dich konkret belastet und wie sich die Situation entwickelt.
03
Soll ich meiner Familie sagen, dass ich Heimweh habe?
Du darfst offen darüber sprechen. Hilfreich ist, konkret zu formulieren, wie es dir geht, ohne aus einem einzelnen schwierigen Abend sofort eine endgültige Entscheidung zu machen.
04
Wie oft sollte ich zuhause anrufen?
Dafür gibt es keine allgemeine richtige Zahl. Finde einen Kontakt, der zu deinem Dienstalltag passt und dir guttut, ohne Schlaf oder Erholung unnötig zu verkürzen.
05
Was mache ich, wenn mein Partner meine kurzen Nachrichten falsch versteht?
Erklär, dass dein Tagesablauf während der Ausbildung anders ist und kurze beziehungsweise verspätete Nachrichten nicht automatisch etwas über eure Beziehung aussagen.
06
Hilft Ablenkung gegen Heimweh?
Aufgaben und Tagesstruktur können dir helfen, nicht dauerhaft zu grübeln. Du solltest Gefühle aber nicht grundsätzlich verdrängen. Wenn dich etwas stark belastet, sprich darüber.
07
Wann wird aus Heimweh ein Problem, bei dem ich Hilfe suchen sollte?
Wenn starke Belastungen anhalten, du kaum noch schlafen oder essen kannst, starke Angst erlebst, dich immer stärker zurückziehst oder deinen Alltag nicht mehr bewältigen kannst, solltest du Unterstützung suchen.
08
Kann ich wegen psychischer Belastung zum Sanitätsdienst?
Ja. Psychische Beschwerden sind gesundheitliche Beschwerden. Daneben stehen innerhalb der Bundeswehr unter anderem der Psychologische Dienst, Sozialdienst und die Militärseelsorge als Ansprechstellen zur Verfügung.
09
Was mache ich bei Suizidgedanken oder akuter Selbstgefährdung?
Hol sofort Hilfe. Sprich unmittelbar Ausbildungspersonal, Vorgesetzte oder medizinisches Personal an. Bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
10
Wird es nach der ersten Woche automatisch besser?
Das lässt sich nicht versprechen. Viele Abläufe werden mit zunehmender Erfahrung vertrauter, wodurch ein Teil der anfänglichen Unsicherheit abnehmen kann. Wenn deine Belastung dagegen bestehen bleibt oder stärker wird, solltest du sie ansprechen.
11
Was ist der wichtigste Gedanke für einen schwierigen Abend?
Du musst heute nicht deine gesamte Bundeswehrzeit bewerten. Klär, was du jetzt brauchst, kümmere dich um den nächsten sinnvollen Schritt und hol dir Unterstützung, wenn du sie brauchst.
Quellen zum Nachlesen
Bundeswehr: Meine Grundausbildung – Die aktuelle Bundeswehrseite erklärt den Einstieg in die seit 2026 als Heimatschutzausbildung Streitkräfte bezeichnete Grundausbildung und bündelt Informationen zu den ersten Wochen und zur Vorbereitung.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Sozialdienst der Bundeswehr – Der Sozialdienst berät aktive und ehemalige Bundeswehrangehörige sowie ihre Familien in sozialen und psychosozialen Angelegenheiten und ist bundesweit erreichbar.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Militärseelsorge – Die Militärseelsorge bietet Soldatinnen und Soldaten Gespräche, Begleitung und Unterstützung im täglichen Dienst, in Übungen und im Einsatz.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Hilfe in Notlagen – Die aktuelle Übersichtsseite bündelt wichtige interne und externe Hilfsangebote und Kontaktdaten für sensible oder kritische Situationen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Hinweise zur sozialen Absicherung – Die offizielle Broschüre beschreibt unter anderem die Aufgaben des Psychologischen Dienstes. Dazu gehören Beratung und Unterstützung bei persönlichen und dienstlichen Belastungen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Dieser Artikel gibt Orientierung für Heimweh und Belastungen während der Eingewöhnung, ersetzt aber keine medizinische oder psychologische Beurteilung. Wenn Beschwerden stark sind, anhalten oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, nutze die professionellen Ansprechstellen. Bei akuter Selbstgefährdung, Suizidgedanken oder einem anderen medizinischen Notfall holst du sofort Hilfe. In akuten Notfällen gilt die 112.
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