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Basisausbildung
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Bundeswehr und Beziehung vor Dienstantritt: Was ihr ehrlich besprechen solltet
Familie & Beziehung
Gez.



Daniel, Levin & Afsal
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Bundeswehr und Beziehung vor Dienstantritt: Was ihr ehrlich besprechen solltet
Familie & Beziehung
Gez.



Daniel, Levin & Afsal


Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Einordnung
Dieser Artikel gehört zum Thema Familie & Beziehung der Soldateninitiative.
Er richtet sich an angehende Soldatinnen und Soldaten, die vor ihrem Dienstantritt gemeinsam mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin realistische Erwartungen für die ersten Wochen entwickeln möchten. Du erfährst, welche Themen ihr vorher besprechen solltet und wie ihr mit weniger Planbarkeit, veränderter Erreichbarkeit und neuen Belastungen umgehen könnt.
Packliste, Anreise, Fitness, Stube und Spind lassen sich vor dem Dienstantritt ziemlich konkret vorbereiten. Bei einer Beziehung ist das schwieriger. Ihr könnt nicht vorher festlegen, wie müde du an einem Mittwochabend sein wirst, wann du tatsächlich telefonieren kannst oder wie sich die ersten Wochen mit weniger gemeinsamer Zeit anfühlen werden.
Trotzdem könnt ihr euch vorbereiten, und genau das lohnt sich. Mit deinem Dienstantritt verändert sich dein Alltag deutlich. Du bist tagsüber in Ausbildung, hast feste Abläufe und kannst deine Zeit nicht mehr so frei einteilen wie vorher. Gleichzeitig erlebt dein Partner oder deine Partnerin diesen neuen Alltag nur aus der Entfernung.
Das kann Missverständnisse erzeugen, obwohl eigentlich gar kein großes Beziehungsproblem besteht. Eine kurze Nachricht wirkt plötzlich kühl, ein verpasster Anruf sorgt für Unsicherheit, ein freies Wochenende wird mit Erwartungen überladen und Müdigkeit wird als Desinteresse verstanden.
Deshalb ist die wichtigste Vorbereitung kein perfekter Kommunikationsplan. Sprecht vor deinem Dienstantritt ehrlich darüber, was sich verändern wird, welche Erwartungen ihr habt und wie ihr miteinander umgehen wollt, wenn der Alltag nicht nach Plan läuft.
Wenn du zuerst verstehen willst, wie sich die Bundeswehr grundsätzlich auf eine Partnerschaft auswirken kann, lies diesen Artikel:
Beziehung und Bundeswehr: Was sich verändert und wie ihr damit umgehen könnt
Wenn du wissen willst, was du deinen Eltern vor deinem Dienstantritt über Erreichbarkeit und die ersten Wochen erklären solltest, passt dieser Artikel:
Was du deinen Eltern vor der Grundausbildung erklären solltest
Letzte Aktualisierung: Oktober 2026
Einordnung
Dieser Artikel gehört zum Thema Familie & Beziehung der Soldateninitiative.
Er richtet sich an angehende Soldatinnen und Soldaten, die vor ihrem Dienstantritt gemeinsam mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin realistische Erwartungen für die ersten Wochen entwickeln möchten. Du erfährst, welche Themen ihr vorher besprechen solltet und wie ihr mit weniger Planbarkeit, veränderter Erreichbarkeit und neuen Belastungen umgehen könnt.
Packliste, Anreise, Fitness, Stube und Spind lassen sich vor dem Dienstantritt ziemlich konkret vorbereiten. Bei einer Beziehung ist das schwieriger. Ihr könnt nicht vorher festlegen, wie müde du an einem Mittwochabend sein wirst, wann du tatsächlich telefonieren kannst oder wie sich die ersten Wochen mit weniger gemeinsamer Zeit anfühlen werden.
Trotzdem könnt ihr euch vorbereiten, und genau das lohnt sich. Mit deinem Dienstantritt verändert sich dein Alltag deutlich. Du bist tagsüber in Ausbildung, hast feste Abläufe und kannst deine Zeit nicht mehr so frei einteilen wie vorher. Gleichzeitig erlebt dein Partner oder deine Partnerin diesen neuen Alltag nur aus der Entfernung.
Das kann Missverständnisse erzeugen, obwohl eigentlich gar kein großes Beziehungsproblem besteht. Eine kurze Nachricht wirkt plötzlich kühl, ein verpasster Anruf sorgt für Unsicherheit, ein freies Wochenende wird mit Erwartungen überladen und Müdigkeit wird als Desinteresse verstanden.
Deshalb ist die wichtigste Vorbereitung kein perfekter Kommunikationsplan. Sprecht vor deinem Dienstantritt ehrlich darüber, was sich verändern wird, welche Erwartungen ihr habt und wie ihr miteinander umgehen wollt, wenn der Alltag nicht nach Plan läuft.
Wenn du zuerst verstehen willst, wie sich die Bundeswehr grundsätzlich auf eine Partnerschaft auswirken kann, lies diesen Artikel:
Beziehung und Bundeswehr: Was sich verändert und wie ihr damit umgehen könnt
Wenn du wissen willst, was du deinen Eltern vor deinem Dienstantritt über Erreichbarkeit und die ersten Wochen erklären solltest, passt dieser Artikel:
Was du deinen Eltern vor der Grundausbildung erklären solltest
[ Kurz gesagt ]
Eine Beziehung und die ersten Monate bei der Bundeswehr schließen sich nicht aus. Ihr solltet aber nicht so planen, als würde dein bisheriger Alltag unverändert weiterlaufen.
Besprecht vor deinem Dienstantritt vor allem fünf Dinge: Wie haltet ihr Kontakt, ohne eine feste tägliche Telefonzeit zu versprechen? Wie geht ihr damit um, wenn eine Antwort erst später kommt? Was erwartet ihr voneinander an freien Wochenenden? Wie sprecht ihr über Eifersucht und neue Kontakte? Und wie klärt ihr Streit, wenn einer von euch gerade müde oder gestresst ist?
Dein Smartphone gehört zwar ausdrücklich auf die Bundeswehr-Packliste. Daraus folgt aber keine Garantie, dass du während der Ausbildung jederzeit erreichbar bist. Wann private Handynutzung möglich ist, hängt von deinem Dienst und den Vorgaben deiner Einheit ab.
Auch freie Wochenenden solltest du nicht als selbstverständlich versprechen. Ausbildungsvorhaben und Dienstplan können deine Planung beeinflussen.
Die beste Vereinbarung lautet deshalb nicht: „Wir telefonieren jeden Abend um 20 Uhr.“ Sondern: „Wir bleiben verlässlich miteinander in Kontakt, aber wir machen unsere Beziehung nicht von einer bestimmten Uhrzeit oder der Länge einer Nachricht abhängig.“
[ Kurz gesagt ]
Eine Beziehung und die ersten Monate bei der Bundeswehr schließen sich nicht aus. Ihr solltet aber nicht so planen, als würde dein bisheriger Alltag unverändert weiterlaufen.
Besprecht vor deinem Dienstantritt vor allem fünf Dinge: Wie haltet ihr Kontakt, ohne eine feste tägliche Telefonzeit zu versprechen? Wie geht ihr damit um, wenn eine Antwort erst später kommt? Was erwartet ihr voneinander an freien Wochenenden? Wie sprecht ihr über Eifersucht und neue Kontakte? Und wie klärt ihr Streit, wenn einer von euch gerade müde oder gestresst ist?
Dein Smartphone gehört zwar ausdrücklich auf die Bundeswehr-Packliste. Daraus folgt aber keine Garantie, dass du während der Ausbildung jederzeit erreichbar bist. Wann private Handynutzung möglich ist, hängt von deinem Dienst und den Vorgaben deiner Einheit ab.
Auch freie Wochenenden solltest du nicht als selbstverständlich versprechen. Ausbildungsvorhaben und Dienstplan können deine Planung beeinflussen.
Die beste Vereinbarung lautet deshalb nicht: „Wir telefonieren jeden Abend um 20 Uhr.“ Sondern: „Wir bleiben verlässlich miteinander in Kontakt, aber wir machen unsere Beziehung nicht von einer bestimmten Uhrzeit oder der Länge einer Nachricht abhängig.“
[ Inhalt ]
01
Warum ihr vor dem Dienstantritt darüber sprechen solltet
02
Sprecht zuerst über Erreichbarkeit
03
Kurze Nachrichten brauchen eine gemeinsame Bedeutung
04
Sprecht darüber, wie ihr mit Funkstille umgeht
05
Plant Wochenenden nicht komplett durch
06
Sprecht offen über Eifersucht
07
Neue Kameradschaft ist keine Konkurrenz zur Beziehung
08
Legt Grenzen für Kontrolle fest
09
Müdigkeit ist eine Erklärung, aber kein Freifahrtschein
10
Wichtige Konflikte gehören nicht zwischen zwei Antreten
11
Sprecht auch über Geld und praktische Verpflichtungen
12
Wenn ihr Kinder habt, braucht ihr mehr als einen Kommunikationsplan
13
Wenn eure Beziehung schon vor dem Dienstantritt belastet ist
14
Unterstützung zu nutzen ist kein Zeichen für eine gescheiterte Beziehung
15
Führt dieses Gespräch vor deinem Dienstantritt
16
Fazit
Häufige Fragen
Quellen zum Nachlesen
1. Warum ihr vor dem Dienstantritt darüber sprechen solltet
Die Bundeswehr verändert nicht automatisch deine Beziehung. Sie verändert aber Rahmenbedingungen.
Die Bundeswehr weist selbst darauf hin, dass dienstliche Anforderungen, Mobilität, Versetzungen, Lehrgänge und Auslandseinsätze Partnerschaften und Familien belasten können. Deine Grundausbildung ist für viele Paare der erste kleinere Vorgeschmack darauf, dass dein beruflicher Alltag nicht immer vollständig nach privaten Plänen funktioniert.
Für dich ist dabei vieles neu, für deinen Partner oder deine Partnerin ebenfalls. Du lernst neue Menschen kennen, bist an einem anderen Ort und hast einen Tagesablauf, den die andere Person nur aus deinen Erzählungen kennt.
Genau deshalb hilft es, Erwartungen vorher auszusprechen. Nicht, weil ihr jedes mögliche Problem lösen müsst, sondern weil ihr dann wisst, was der andere überhaupt erwartet.
2. Sprecht zuerst über Erreichbarkeit
Die Frage klingt banal: Wie oft telefonieren wir? Sie wird schnell kompliziert, wenn daraus eine feste Verpflichtung entsteht.
Versprich deshalb vor deinem Dienstantritt nicht, jeden Abend zu einer bestimmten Uhrzeit eine Stunde zu telefonieren. Du weißt noch nicht, wie dein konkreter Tagesablauf aussieht. Vielleicht hast du an einem Abend ausreichend Zeit, vielleicht musst du am nächsten Tag Ausrüstung vorbereiten und möchtest danach nur noch schlafen. Vielleicht liegt ein Ausbildungsabschnitt im Gelände vor dir.
Vereinbart lieber eine flexible Grundregel. Zum Beispiel: „Wir versuchen, uns nach Dienstschluss kurz zu melden. Wenn ein längeres Gespräch passt, telefonieren wir. Wenn der Tag voll war, reicht auch eine kurze Nachricht.“
Das schafft Verlässlichkeit, ohne etwas zu versprechen, was dein Dienstplan möglicherweise nicht zulässt.
Konkretes Beispiel
Vor deinem Dienstantritt telefoniert ihr jeden Abend um 21 Uhr. Diese Gewohnheit einfach zur festen Regel für die Grundausbildung zu erklären, erzeugt unnötigen Druck.
Besser ist: „Ich melde mich abends, sobald es passt. Wenn ich nur kurz schreibe, telefonieren wir an einem ruhigeren Tag länger.“
So bleibt Kontakt wichtig, ohne dass ein verpasster 21-Uhr-Anruf sofort zum Beziehungsthema wird.
3. Kurze Nachrichten brauchen eine gemeinsame Bedeutung
In den ersten Wochen können Nachrichten anders aussehen als vorher. Vielleicht schreibst du: „Alles gut. Bin komplett müde. Gute Nacht.“
Für dich bedeutet das: Der Tag war lang, ich bin sicher angekommen und brauche Schlaf. Bei deinem Partner oder deiner Partnerin kann dieselbe Nachricht ankommen als: Warum schreibt er so kalt? Warum erzählt sie nichts mehr? Ist irgendetwas passiert? Hat sich etwas verändert?
Besprecht das vorher. Eine kurze Nachricht ist nicht automatisch ein Zeichen für Distanz.
Gleichzeitig solltest du kurze Kommunikation nicht als Dauerlösung benutzen, wenn dein Partner oder deine Partnerin wichtige Fragen oder Sorgen hat. Es geht um die richtige Einordnung. Kurz schreiben, weil der Tag lang war, ist etwas anderes als wichtige Gespräche dauerhaft zu vermeiden.
4. Sprecht darüber, wie ihr mit Funkstille umgeht
Auch wenn du dein Smartphone dabeihast, bist du nicht permanent erreichbar. Die offizielle Packliste nennt Smartphone und Ladegerät ausdrücklich für den Dienstantritt. Während der Ausbildung stehen aber Auftrag, Aufmerksamkeit und die Vorgaben deiner Einheit im Mittelpunkt.
Gerade bei Geländeausbildung, Biwak oder langen Ausbildungstagen solltest du deshalb nicht davon ausgehen, regelmäßig zu denselben Uhrzeiten erreichbar zu sein. Klärt vorher, was Funkstille für euch bedeutet.
Eine gute Vereinbarung kann sein: „Wenn ich mich einen Abend nicht melde, geh zunächst davon aus, dass Ausbildung, Müdigkeit oder fehlende Gelegenheit der Grund sind.“
Das bedeutet nicht, dass echte Sorgen ignoriert werden sollen. Es verhindert nur, dass jede verspätete WhatsApp-Antwort automatisch als Beziehungsproblem interpretiert wird.
5. Plant Wochenenden nicht komplett durch
Wenn du an einem Wochenende frei hast und nach Hause fahren kannst, ist die Vorfreude verständlich. Vielleicht möchte dein Partner oder deine Partnerin möglichst viel gemeinsame Zeit. Du möchtest gleichzeitig Familie sehen, Wäsche erledigen, private Dinge regeln, schlafen und einfach etwas Ruhe haben.
Das Wochenende hat aber weiterhin nur zwei Tage. Deshalb solltet ihr nicht versuchen, jede Stunde nachzuholen, die euch während der Woche gefehlt hat.
Plant lieber bewusst gemeinsame Zeit und lasst daneben Raum für Erholung und notwendige Dinge. Vor allem solltest du nicht vor dem Dienstantritt garantieren, jedes Wochenende zu Hause zu sein. Dein Dienstplan entscheidet, wann du tatsächlich frei hast.
Konkretes Beispiel
Du kommst am Freitagabend nach einer anstrengenden Woche nach Hause. Dein Partner hat für Samstag Frühstück, Einkaufsbummel, Restaurant und abends eine Party geplant.
Du möchtest eigentlich ausschlafen und deine Sachen für die kommende Woche vorbereiten. Keiner von euch liegt damit automatisch falsch. Das Problem ist die unterschiedliche Erwartung.
Wenn ihr vorher vereinbart habt, dass freie Wochenenden auch Erholung enthalten dürfen, lässt sich der Samstag deutlich entspannter planen.
6. Sprecht offen über Eifersucht
Du wirst bei der Bundeswehr neue Menschen kennenlernen. Männer und Frauen, Kameradinnen und Kameraden, Ausbilderinnen und Ausbilder. Menschen, mit denen du viele Stunden verbringst und teilweise anspruchsvolle Situationen erlebst.
Das gehört zum Dienst. Wenn Eifersucht in eurer Beziehung bereits vorher ein Thema war, verschwindet sie nicht automatisch mit deinem Dienstantritt.
Deshalb lohnt sich ein ehrliches Gespräch. Was macht einen von euch unsicher? Welche Grenzen sind euch wichtig? Was empfindet ihr als respektvollen Umgang? Und wo beginnt Kontrolle?
Eine stabile Lösung besteht nicht darin, jede Begegnung zu dokumentieren oder ständig den Standort zu teilen. Vertrauen braucht Information und Verlässlichkeit, aber keine permanente Überwachung.
7. Neue Kameradschaft ist keine Konkurrenz zur Beziehung
In der Grundausbildung wirst du wahrscheinlich relativ schnell viel Zeit mit deiner Gruppe verbringen. Ihr steht gemeinsam auf, habt gemeinsam Ausbildung, macht gemeinsam Fehler, helft euch und sitzt abends möglicherweise gemeinsam auf Stube. Dadurch entsteht Kameradschaft.
Für einen Partner zu Hause kann es zunächst ungewohnt sein, wenn plötzlich ständig Namen neuer Menschen in deinen Erzählungen auftauchen. Ordne das ein.
Deine Kameraden teilen deinen militärischen Alltag. Dein Partner oder deine Partnerin hat eine andere Rolle in deinem Leben. Beides muss nicht miteinander konkurrieren.
Problematisch wird es eher, wenn du einen Bereich komplett vor dem anderen verschließt oder jedes Interesse deines Partners als Misstrauen interpretierst. Erzähl von deinem Alltag, soweit das dienstlich möglich ist, ohne aus jedem Tag einen vollständigen Bericht machen zu müssen.
8. Legt Grenzen für Kontrolle fest
Unsicherheit kann schnell zu Kontrolle werden. „Warum warst du online und hast mir nicht geantwortet?“, „Mit wem warst du gerade?“, „Schick mir deinen Standort.“ oder „Zeig mir, wer auf deiner Stube ist.“ können aus einem nachvollziehbaren Wunsch nach Nähe entstehen.
Wenn solche Fragen zum dauerhaften Kontrollsystem werden, belasten sie euch aber zusätzlich. Besprecht deshalb lieber, welche Form von Verlässlichkeit ihr wirklich braucht.
Vielleicht reicht eine kurze Nachricht nach einem langen Tag. Vielleicht vereinbart ihr, größere Veränderungen offen anzusprechen. Vielleicht wollt ihr an freien Wochenenden bewusst längere Gespräche führen.
Die Lösung sollte Vertrauen stärken und nicht dazu führen, dass einer von euch ständig Rechenschaft über jede Minute ablegen muss.
9. Müdigkeit ist eine Erklärung, aber kein Freifahrtschein
Die ersten Wochen können anstrengend sein. Neue Umgebung, früher Tagesbeginn, viele Informationen und körperliche Ausbildung können dazu führen, dass du abends deutlich weniger Energie hast.
Das kann sich auch auf deine Kommunikation auswirken. Vielleicht bist du schneller gereizt, möchtest ein Gespräch früher beenden oder hast gerade keine Lust, eine komplizierte Diskussion zu führen. Das darfst du sagen.
Was du nicht tun solltest, ist jede schlechte Kommunikation mit dem Dienst zu entschuldigen. „Ich bin beim Bund, also musst du damit klarkommen“ ist keine vernünftige Grundlage.
Besser ist: „Ich bin gerade zu müde, um das fair zu besprechen. Das Thema ist mir wichtig. Können wir morgen telefonieren?“
Dann verschiebst du das Gespräch. Du wertest es nicht ab.
10. Wichtige Konflikte gehören nicht zwischen zwei Antreten
Messenger sind praktisch für kurze Nachrichten. Für komplizierte Beziehungskonflikte sind sie häufig schlecht.
Ein Satz wird falsch verstanden, dann folgen zehn weitere Nachrichten. Einer von euch antwortet nicht sofort, und plötzlich eskaliert ein Problem, das in einem ruhigen Gespräch vielleicht nach zehn Minuten geklärt wäre.
Wenn ein Thema wirklich wichtig ist, sucht einen geeigneten Zeitpunkt. Du darfst sagen, dass du gerade in Ausbildung bist oder zu erschöpft bist, um vernünftig darüber zu sprechen.
Vereinbart dann aber einen neuen Zeitpunkt. „Später“ sollte nicht bedeuten, dass das Thema einfach verschwindet.
11. Sprecht auch über Geld und praktische Verpflichtungen
Eine Beziehung besteht nicht nur aus Nachrichten und gemeinsamen Wochenenden. Wenn ihr zusammenwohnt oder gemeinsame Verpflichtungen habt, sollte vor deinem Dienstantritt geklärt sein, wer sich während deiner Abwesenheit worum kümmert.
Dazu gehören Fragen wie: Wie werden gemeinsame Rechnungen bezahlt? Wer kümmert sich um Post? Gibt es Haustiere? Müssen Termine organisiert werden? Wer kümmert sich um Wohnung oder Fahrzeug? Gibt es gemeinsame Verträge?
Je mehr davon vorher geklärt ist, desto weniger organisatorische Diskussionen musst du während der ersten Ausbildungswochen nebenbei führen. Das ist besonders wichtig, wenn dein Partner oder deine Partnerin durch deinen Dienstantritt zusätzliche Aufgaben übernimmt.
12. Wenn ihr Kinder habt, braucht ihr mehr als einen Kommunikationsplan
Mit Kindern wird die Vorbereitung konkreter. Dann geht es nicht nur darum, wann ihr telefoniert, sondern um Betreuung, Bringzeiten, Abholzeiten, Krankheiten, Termine und die Frage, wer kurzfristig einspringen kann.
Die Bundeswehr erkennt ausdrücklich an, dass dienstliche Anforderungen und familiäre Bedürfnisse miteinander in Konflikt geraten können, und bietet dafür verschiedene Unterstützungsangebote. Der Sozialdienst der Bundeswehr berät Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien in sozialen und psychosozialen Fragen.
Wenn bei euch Betreuung, Elternzeit oder andere familiäre Themen eine Rolle spielen, klärt diese Fragen frühzeitig. Je früher ihr wisst, wo mögliche Engpässe liegen, desto besser könnt ihr sie organisieren.
13. Wenn eure Beziehung schon vor dem Dienstantritt belastet ist
Die Grundausbildung repariert keine Beziehung. Sie muss sie aber auch nicht automatisch zerstören.
Wenn ihr bereits vorher ständig über Vertrauen, Erreichbarkeit oder Eifersucht streitet, solltet ihr diese Themen nicht mit dem Satz verschieben: „Das klären wir, wenn ich beim Bund bin.“ Danach wird die Kommunikation wahrscheinlich nicht einfacher.
Setzt euch vorher zusammen und benennt konkret, worum es geht. Nicht: „Du vertraust mir nie.“ Sondern: „Wir streiten häufig, wenn ich nicht sofort antworte. Wie gehen wir damit um, wenn ich während der Ausbildung mehrere Stunden nicht erreichbar bin?“
Konkrete Probleme lassen sich besser besprechen als pauschale Vorwürfe.
14. Unterstützung zu nutzen ist kein Zeichen für eine gescheiterte Beziehung
Nicht jedes Paar braucht Beratung. Wenn familiäre oder partnerschaftliche Belastungen größer werden, musst du sie aber nicht vollständig allein lösen.
Der Sozialdienst der Bundeswehr berät aktive Bundeswehrangehörige und ihre Familien in sozialen Angelegenheiten. Dazu gehören neben sozialrechtlichen Fragen auch psychosoziale Themen. Die Beratung ist kostenlos, und die Mitarbeitenden unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht.
Auch die Militärseelsorge ist eine mögliche Anlaufstelle für persönliche Gespräche. Das bedeutet nicht, dass du wegen eines kleinen Streits sofort eine Beratungsstelle aufsuchen musst.
Es bedeutet: Wenn eine Belastung ernst wird, gibt es innerhalb der Bundeswehr Menschen, mit denen du darüber sprechen kannst. Diese Angebote solltest du kennen, bevor du sie irgendwann brauchst.
15. Führt dieses Gespräch vor deinem Dienstantritt
Ihr braucht dafür keinen perfekten Fragenkatalog. Nehmt euch einen ruhigen Abend und besprecht die Punkte, die für euch tatsächlich relevant sind.
Eine gute Reihenfolge ist: Wie oft möchten wir ungefähr Kontakt haben? Was bedeutet es, wenn eine Antwort länger dauert? Wie planen wir freie Wochenenden? Welche Erwartungen haben wir an gemeinsame Zeit? Welche Situationen lösen bei uns Eifersucht aus? Wie sprechen wir Konflikte an? Welche praktischen Aufgaben müssen während meiner Abwesenheit geregelt werden? Wann sagen wir offen, dass einer von uns gerade Unterstützung braucht?
Am Ende müsst ihr keinen Vertrag unterschreiben. Ihr solltet nur beide ungefähr dasselbe Bild davon haben, was euch in den ersten Wochen erwartet.
Konkretes Beispiel
Ihr merkt im Gespräch, dass du von kurzen Nachrichten unter der Woche und einem längeren Telefonat am Wochenende ausgehst. Dein Partner hat dagegen erwartet, dass ihr weiterhin jeden Abend ausführlich telefoniert.
Genau dafür ist das Gespräch da. Nicht um festzustellen, wer recht hat, sondern um eine Lösung zu finden, die mit deinem neuen Alltag und euren Bedürfnissen zusammenpasst.
16. Fazit
Bundeswehr und Beziehung können gut zusammenpassen. Was sich mit deinem Dienstantritt verändert, sind vor allem Zeit, Erreichbarkeit und Planbarkeit. Genau darüber solltet ihr vorher sprechen.
Versprich keine täglichen Telefonate zu einer festen Uhrzeit. Versprich nicht, jedes Wochenende zu Hause zu sein. Und interpretiert beide kurze Nachrichten oder einen verpassten Anruf nicht automatisch als Zeichen dafür, dass eure Beziehung schlechter geworden ist.
Gleichzeitig sollte die Bundeswehr keine Ausrede dafür werden, wichtige Gespräche dauerhaft aufzuschieben oder respektlos miteinander umzugehen.
Eure beste Vorbereitung ist eine realistische Vereinbarung: Wir bleiben verlässlich miteinander in Kontakt, akzeptieren den neuen Alltag und sprechen offen darüber, wenn etwas für einen von uns nicht mehr funktioniert.
Dann muss die Grundausbildung kein Beziehungstest werden. Sie ist zunächst einfach eine neue Lebensphase, an die ihr euch beide gewöhnen müsst.
Vorbereitung mit der Soldateninitiative
Die Soldateninitiative hilft dir dabei, deinen Dienstantritt nicht nur organisatorisch, sondern als Veränderung deines gesamten Alltags vorzubereiten.
Beim Thema Beziehung bringt dir Mission Grundausbildung vor allem Klarheit darüber, wie Erreichbarkeit, Wochenenden, Schlaf, Heimfahrt, Familie und die ersten Ausbildungstage zusammenpassen. So kannst du deinem Partner oder deiner Partnerin vor dem Start realistischer erklären, was planbar ist und was ihr bewusst flexibel halten solltet.
Mit Mission Grundausbildung: Bist du bereit? bereitest du dich strukturiert auf deinen Dienstantritt und deine ersten Wochen bei der Bundeswehr vor.
Wenn ihr vor dem Start über Kontakt, Erwartungen und gemeinsame Zeit gesprochen habt, müsst ihr die ersten Wochen nicht mit falschen Versprechen beginnen. Ihr könnt euren Umgang miteinander an den tatsächlichen Alltag anpassen.
1. Warum ihr vor dem Dienstantritt darüber sprechen solltet
Die Bundeswehr verändert nicht automatisch deine Beziehung. Sie verändert aber Rahmenbedingungen.
Die Bundeswehr weist selbst darauf hin, dass dienstliche Anforderungen, Mobilität, Versetzungen, Lehrgänge und Auslandseinsätze Partnerschaften und Familien belasten können. Deine Grundausbildung ist für viele Paare der erste kleinere Vorgeschmack darauf, dass dein beruflicher Alltag nicht immer vollständig nach privaten Plänen funktioniert.
Für dich ist dabei vieles neu, für deinen Partner oder deine Partnerin ebenfalls. Du lernst neue Menschen kennen, bist an einem anderen Ort und hast einen Tagesablauf, den die andere Person nur aus deinen Erzählungen kennt.
Genau deshalb hilft es, Erwartungen vorher auszusprechen. Nicht, weil ihr jedes mögliche Problem lösen müsst, sondern weil ihr dann wisst, was der andere überhaupt erwartet.
2. Sprecht zuerst über Erreichbarkeit
Die Frage klingt banal: Wie oft telefonieren wir? Sie wird schnell kompliziert, wenn daraus eine feste Verpflichtung entsteht.
Versprich deshalb vor deinem Dienstantritt nicht, jeden Abend zu einer bestimmten Uhrzeit eine Stunde zu telefonieren. Du weißt noch nicht, wie dein konkreter Tagesablauf aussieht. Vielleicht hast du an einem Abend ausreichend Zeit, vielleicht musst du am nächsten Tag Ausrüstung vorbereiten und möchtest danach nur noch schlafen. Vielleicht liegt ein Ausbildungsabschnitt im Gelände vor dir.
Vereinbart lieber eine flexible Grundregel. Zum Beispiel: „Wir versuchen, uns nach Dienstschluss kurz zu melden. Wenn ein längeres Gespräch passt, telefonieren wir. Wenn der Tag voll war, reicht auch eine kurze Nachricht.“
Das schafft Verlässlichkeit, ohne etwas zu versprechen, was dein Dienstplan möglicherweise nicht zulässt.
Konkretes Beispiel
Vor deinem Dienstantritt telefoniert ihr jeden Abend um 21 Uhr. Diese Gewohnheit einfach zur festen Regel für die Grundausbildung zu erklären, erzeugt unnötigen Druck.
Besser ist: „Ich melde mich abends, sobald es passt. Wenn ich nur kurz schreibe, telefonieren wir an einem ruhigeren Tag länger.“
So bleibt Kontakt wichtig, ohne dass ein verpasster 21-Uhr-Anruf sofort zum Beziehungsthema wird.
3. Kurze Nachrichten brauchen eine gemeinsame Bedeutung
In den ersten Wochen können Nachrichten anders aussehen als vorher. Vielleicht schreibst du: „Alles gut. Bin komplett müde. Gute Nacht.“
Für dich bedeutet das: Der Tag war lang, ich bin sicher angekommen und brauche Schlaf. Bei deinem Partner oder deiner Partnerin kann dieselbe Nachricht ankommen als: Warum schreibt er so kalt? Warum erzählt sie nichts mehr? Ist irgendetwas passiert? Hat sich etwas verändert?
Besprecht das vorher. Eine kurze Nachricht ist nicht automatisch ein Zeichen für Distanz.
Gleichzeitig solltest du kurze Kommunikation nicht als Dauerlösung benutzen, wenn dein Partner oder deine Partnerin wichtige Fragen oder Sorgen hat. Es geht um die richtige Einordnung. Kurz schreiben, weil der Tag lang war, ist etwas anderes als wichtige Gespräche dauerhaft zu vermeiden.
4. Sprecht darüber, wie ihr mit Funkstille umgeht
Auch wenn du dein Smartphone dabeihast, bist du nicht permanent erreichbar. Die offizielle Packliste nennt Smartphone und Ladegerät ausdrücklich für den Dienstantritt. Während der Ausbildung stehen aber Auftrag, Aufmerksamkeit und die Vorgaben deiner Einheit im Mittelpunkt.
Gerade bei Geländeausbildung, Biwak oder langen Ausbildungstagen solltest du deshalb nicht davon ausgehen, regelmäßig zu denselben Uhrzeiten erreichbar zu sein. Klärt vorher, was Funkstille für euch bedeutet.
Eine gute Vereinbarung kann sein: „Wenn ich mich einen Abend nicht melde, geh zunächst davon aus, dass Ausbildung, Müdigkeit oder fehlende Gelegenheit der Grund sind.“
Das bedeutet nicht, dass echte Sorgen ignoriert werden sollen. Es verhindert nur, dass jede verspätete WhatsApp-Antwort automatisch als Beziehungsproblem interpretiert wird.
5. Plant Wochenenden nicht komplett durch
Wenn du an einem Wochenende frei hast und nach Hause fahren kannst, ist die Vorfreude verständlich. Vielleicht möchte dein Partner oder deine Partnerin möglichst viel gemeinsame Zeit. Du möchtest gleichzeitig Familie sehen, Wäsche erledigen, private Dinge regeln, schlafen und einfach etwas Ruhe haben.
Das Wochenende hat aber weiterhin nur zwei Tage. Deshalb solltet ihr nicht versuchen, jede Stunde nachzuholen, die euch während der Woche gefehlt hat.
Plant lieber bewusst gemeinsame Zeit und lasst daneben Raum für Erholung und notwendige Dinge. Vor allem solltest du nicht vor dem Dienstantritt garantieren, jedes Wochenende zu Hause zu sein. Dein Dienstplan entscheidet, wann du tatsächlich frei hast.
Konkretes Beispiel
Du kommst am Freitagabend nach einer anstrengenden Woche nach Hause. Dein Partner hat für Samstag Frühstück, Einkaufsbummel, Restaurant und abends eine Party geplant.
Du möchtest eigentlich ausschlafen und deine Sachen für die kommende Woche vorbereiten. Keiner von euch liegt damit automatisch falsch. Das Problem ist die unterschiedliche Erwartung.
Wenn ihr vorher vereinbart habt, dass freie Wochenenden auch Erholung enthalten dürfen, lässt sich der Samstag deutlich entspannter planen.
6. Sprecht offen über Eifersucht
Du wirst bei der Bundeswehr neue Menschen kennenlernen. Männer und Frauen, Kameradinnen und Kameraden, Ausbilderinnen und Ausbilder. Menschen, mit denen du viele Stunden verbringst und teilweise anspruchsvolle Situationen erlebst.
Das gehört zum Dienst. Wenn Eifersucht in eurer Beziehung bereits vorher ein Thema war, verschwindet sie nicht automatisch mit deinem Dienstantritt.
Deshalb lohnt sich ein ehrliches Gespräch. Was macht einen von euch unsicher? Welche Grenzen sind euch wichtig? Was empfindet ihr als respektvollen Umgang? Und wo beginnt Kontrolle?
Eine stabile Lösung besteht nicht darin, jede Begegnung zu dokumentieren oder ständig den Standort zu teilen. Vertrauen braucht Information und Verlässlichkeit, aber keine permanente Überwachung.
7. Neue Kameradschaft ist keine Konkurrenz zur Beziehung
In der Grundausbildung wirst du wahrscheinlich relativ schnell viel Zeit mit deiner Gruppe verbringen. Ihr steht gemeinsam auf, habt gemeinsam Ausbildung, macht gemeinsam Fehler, helft euch und sitzt abends möglicherweise gemeinsam auf Stube. Dadurch entsteht Kameradschaft.
Für einen Partner zu Hause kann es zunächst ungewohnt sein, wenn plötzlich ständig Namen neuer Menschen in deinen Erzählungen auftauchen. Ordne das ein.
Deine Kameraden teilen deinen militärischen Alltag. Dein Partner oder deine Partnerin hat eine andere Rolle in deinem Leben. Beides muss nicht miteinander konkurrieren.
Problematisch wird es eher, wenn du einen Bereich komplett vor dem anderen verschließt oder jedes Interesse deines Partners als Misstrauen interpretierst. Erzähl von deinem Alltag, soweit das dienstlich möglich ist, ohne aus jedem Tag einen vollständigen Bericht machen zu müssen.
8. Legt Grenzen für Kontrolle fest
Unsicherheit kann schnell zu Kontrolle werden. „Warum warst du online und hast mir nicht geantwortet?“, „Mit wem warst du gerade?“, „Schick mir deinen Standort.“ oder „Zeig mir, wer auf deiner Stube ist.“ können aus einem nachvollziehbaren Wunsch nach Nähe entstehen.
Wenn solche Fragen zum dauerhaften Kontrollsystem werden, belasten sie euch aber zusätzlich. Besprecht deshalb lieber, welche Form von Verlässlichkeit ihr wirklich braucht.
Vielleicht reicht eine kurze Nachricht nach einem langen Tag. Vielleicht vereinbart ihr, größere Veränderungen offen anzusprechen. Vielleicht wollt ihr an freien Wochenenden bewusst längere Gespräche führen.
Die Lösung sollte Vertrauen stärken und nicht dazu führen, dass einer von euch ständig Rechenschaft über jede Minute ablegen muss.
9. Müdigkeit ist eine Erklärung, aber kein Freifahrtschein
Die ersten Wochen können anstrengend sein. Neue Umgebung, früher Tagesbeginn, viele Informationen und körperliche Ausbildung können dazu führen, dass du abends deutlich weniger Energie hast.
Das kann sich auch auf deine Kommunikation auswirken. Vielleicht bist du schneller gereizt, möchtest ein Gespräch früher beenden oder hast gerade keine Lust, eine komplizierte Diskussion zu führen. Das darfst du sagen.
Was du nicht tun solltest, ist jede schlechte Kommunikation mit dem Dienst zu entschuldigen. „Ich bin beim Bund, also musst du damit klarkommen“ ist keine vernünftige Grundlage.
Besser ist: „Ich bin gerade zu müde, um das fair zu besprechen. Das Thema ist mir wichtig. Können wir morgen telefonieren?“
Dann verschiebst du das Gespräch. Du wertest es nicht ab.
10. Wichtige Konflikte gehören nicht zwischen zwei Antreten
Messenger sind praktisch für kurze Nachrichten. Für komplizierte Beziehungskonflikte sind sie häufig schlecht.
Ein Satz wird falsch verstanden, dann folgen zehn weitere Nachrichten. Einer von euch antwortet nicht sofort, und plötzlich eskaliert ein Problem, das in einem ruhigen Gespräch vielleicht nach zehn Minuten geklärt wäre.
Wenn ein Thema wirklich wichtig ist, sucht einen geeigneten Zeitpunkt. Du darfst sagen, dass du gerade in Ausbildung bist oder zu erschöpft bist, um vernünftig darüber zu sprechen.
Vereinbart dann aber einen neuen Zeitpunkt. „Später“ sollte nicht bedeuten, dass das Thema einfach verschwindet.
11. Sprecht auch über Geld und praktische Verpflichtungen
Eine Beziehung besteht nicht nur aus Nachrichten und gemeinsamen Wochenenden. Wenn ihr zusammenwohnt oder gemeinsame Verpflichtungen habt, sollte vor deinem Dienstantritt geklärt sein, wer sich während deiner Abwesenheit worum kümmert.
Dazu gehören Fragen wie: Wie werden gemeinsame Rechnungen bezahlt? Wer kümmert sich um Post? Gibt es Haustiere? Müssen Termine organisiert werden? Wer kümmert sich um Wohnung oder Fahrzeug? Gibt es gemeinsame Verträge?
Je mehr davon vorher geklärt ist, desto weniger organisatorische Diskussionen musst du während der ersten Ausbildungswochen nebenbei führen. Das ist besonders wichtig, wenn dein Partner oder deine Partnerin durch deinen Dienstantritt zusätzliche Aufgaben übernimmt.
12. Wenn ihr Kinder habt, braucht ihr mehr als einen Kommunikationsplan
Mit Kindern wird die Vorbereitung konkreter. Dann geht es nicht nur darum, wann ihr telefoniert, sondern um Betreuung, Bringzeiten, Abholzeiten, Krankheiten, Termine und die Frage, wer kurzfristig einspringen kann.
Die Bundeswehr erkennt ausdrücklich an, dass dienstliche Anforderungen und familiäre Bedürfnisse miteinander in Konflikt geraten können, und bietet dafür verschiedene Unterstützungsangebote. Der Sozialdienst der Bundeswehr berät Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien in sozialen und psychosozialen Fragen.
Wenn bei euch Betreuung, Elternzeit oder andere familiäre Themen eine Rolle spielen, klärt diese Fragen frühzeitig. Je früher ihr wisst, wo mögliche Engpässe liegen, desto besser könnt ihr sie organisieren.
13. Wenn eure Beziehung schon vor dem Dienstantritt belastet ist
Die Grundausbildung repariert keine Beziehung. Sie muss sie aber auch nicht automatisch zerstören.
Wenn ihr bereits vorher ständig über Vertrauen, Erreichbarkeit oder Eifersucht streitet, solltet ihr diese Themen nicht mit dem Satz verschieben: „Das klären wir, wenn ich beim Bund bin.“ Danach wird die Kommunikation wahrscheinlich nicht einfacher.
Setzt euch vorher zusammen und benennt konkret, worum es geht. Nicht: „Du vertraust mir nie.“ Sondern: „Wir streiten häufig, wenn ich nicht sofort antworte. Wie gehen wir damit um, wenn ich während der Ausbildung mehrere Stunden nicht erreichbar bin?“
Konkrete Probleme lassen sich besser besprechen als pauschale Vorwürfe.
14. Unterstützung zu nutzen ist kein Zeichen für eine gescheiterte Beziehung
Nicht jedes Paar braucht Beratung. Wenn familiäre oder partnerschaftliche Belastungen größer werden, musst du sie aber nicht vollständig allein lösen.
Der Sozialdienst der Bundeswehr berät aktive Bundeswehrangehörige und ihre Familien in sozialen Angelegenheiten. Dazu gehören neben sozialrechtlichen Fragen auch psychosoziale Themen. Die Beratung ist kostenlos, und die Mitarbeitenden unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht.
Auch die Militärseelsorge ist eine mögliche Anlaufstelle für persönliche Gespräche. Das bedeutet nicht, dass du wegen eines kleinen Streits sofort eine Beratungsstelle aufsuchen musst.
Es bedeutet: Wenn eine Belastung ernst wird, gibt es innerhalb der Bundeswehr Menschen, mit denen du darüber sprechen kannst. Diese Angebote solltest du kennen, bevor du sie irgendwann brauchst.
15. Führt dieses Gespräch vor deinem Dienstantritt
Ihr braucht dafür keinen perfekten Fragenkatalog. Nehmt euch einen ruhigen Abend und besprecht die Punkte, die für euch tatsächlich relevant sind.
Eine gute Reihenfolge ist: Wie oft möchten wir ungefähr Kontakt haben? Was bedeutet es, wenn eine Antwort länger dauert? Wie planen wir freie Wochenenden? Welche Erwartungen haben wir an gemeinsame Zeit? Welche Situationen lösen bei uns Eifersucht aus? Wie sprechen wir Konflikte an? Welche praktischen Aufgaben müssen während meiner Abwesenheit geregelt werden? Wann sagen wir offen, dass einer von uns gerade Unterstützung braucht?
Am Ende müsst ihr keinen Vertrag unterschreiben. Ihr solltet nur beide ungefähr dasselbe Bild davon haben, was euch in den ersten Wochen erwartet.
Konkretes Beispiel
Ihr merkt im Gespräch, dass du von kurzen Nachrichten unter der Woche und einem längeren Telefonat am Wochenende ausgehst. Dein Partner hat dagegen erwartet, dass ihr weiterhin jeden Abend ausführlich telefoniert.
Genau dafür ist das Gespräch da. Nicht um festzustellen, wer recht hat, sondern um eine Lösung zu finden, die mit deinem neuen Alltag und euren Bedürfnissen zusammenpasst.
16. Fazit
Bundeswehr und Beziehung können gut zusammenpassen. Was sich mit deinem Dienstantritt verändert, sind vor allem Zeit, Erreichbarkeit und Planbarkeit. Genau darüber solltet ihr vorher sprechen.
Versprich keine täglichen Telefonate zu einer festen Uhrzeit. Versprich nicht, jedes Wochenende zu Hause zu sein. Und interpretiert beide kurze Nachrichten oder einen verpassten Anruf nicht automatisch als Zeichen dafür, dass eure Beziehung schlechter geworden ist.
Gleichzeitig sollte die Bundeswehr keine Ausrede dafür werden, wichtige Gespräche dauerhaft aufzuschieben oder respektlos miteinander umzugehen.
Eure beste Vorbereitung ist eine realistische Vereinbarung: Wir bleiben verlässlich miteinander in Kontakt, akzeptieren den neuen Alltag und sprechen offen darüber, wenn etwas für einen von uns nicht mehr funktioniert.
Dann muss die Grundausbildung kein Beziehungstest werden. Sie ist zunächst einfach eine neue Lebensphase, an die ihr euch beide gewöhnen müsst.
Vorbereitung mit der Soldateninitiative
Die Soldateninitiative hilft dir dabei, deinen Dienstantritt nicht nur organisatorisch, sondern als Veränderung deines gesamten Alltags vorzubereiten.
Beim Thema Beziehung bringt dir Mission Grundausbildung vor allem Klarheit darüber, wie Erreichbarkeit, Wochenenden, Schlaf, Heimfahrt, Familie und die ersten Ausbildungstage zusammenpassen. So kannst du deinem Partner oder deiner Partnerin vor dem Start realistischer erklären, was planbar ist und was ihr bewusst flexibel halten solltet.
Mit Mission Grundausbildung: Bist du bereit? bereitest du dich strukturiert auf deinen Dienstantritt und deine ersten Wochen bei der Bundeswehr vor.
Wenn ihr vor dem Start über Kontakt, Erwartungen und gemeinsame Zeit gesprochen habt, müsst ihr die ersten Wochen nicht mit falschen Versprechen beginnen. Ihr könnt euren Umgang miteinander an den tatsächlichen Alltag anpassen.
Häufige Fragen
01
Kann eine Beziehung die Grundausbildung gut überstehen?
Ja. Die Grundausbildung bedeutet eine Veränderung der Rahmenbedingungen, aber nicht automatisch ein Beziehungsproblem. Realistische Erwartungen und verlässliche Kommunikation helfen.
02
Können wir jeden Abend telefonieren?
Das solltest du vor dem Dienstantritt nicht garantieren. An manchen Tagen kann ein längeres Gespräch möglich sein, an anderen bleibt möglicherweise nur Zeit für eine kurze Nachricht.
03
Bedeutet eine kurze Nachricht, dass etwas nicht stimmt?
Nein. Gerade nach einem langen Ausbildungstag kann eine kurze Nachricht schlicht Müdigkeit bedeuten. Besprecht vorher, wie ihr solche Nachrichten einordnet.
04
Bin ich während der Grundausbildung immer erreichbar?
Nein. Dein Smartphone ist zwar Teil der offiziellen Packliste, aber während der Ausbildung bestimmen Dienst und die Vorgaben deiner Einheit, wann private Nutzung möglich ist.
05
Bin ich jedes Wochenende zu Hause?
Nein, darauf solltest du dich nicht verlassen. Ob du frei hast und heimfahren kannst, richtet sich nach deinem konkreten Dienstplan und Ausbildungsabschnitt.
06
Sollte mein Partner meinen Standort sehen können?
Das ist eine private Entscheidung. Eine Beziehung sollte aber nicht darauf angewiesen sein, dass einer den anderen permanent kontrolliert. Zusätzlich musst du dienstliche Sicherheitsanforderungen beachten.
07
Was machen wir, wenn wir uns wegen meiner neuen Kameraden streiten?
Sprecht über die konkrete Unsicherheit. Kameradschaft gehört zum militärischen Alltag. Gleichzeitig könnt ihr gemeinsam festlegen, welche Grenzen euch in eurer Beziehung wichtig sind.
08
Was ist, wenn wir uns am Wochenende ständig streiten?
Versucht nicht, alle aufgeschobenen Themen in wenige Stunden zu pressen. Plant sowohl gemeinsame Zeit als auch Erholung ein und klärt wichtige Konflikte möglichst in Ruhe.
09
Gibt es bei der Bundeswehr Hilfe bei familiären Problemen?
Ja. Der Sozialdienst der Bundeswehr berät Bundeswehrangehörige und ihre Familien in sozialen und psychosozialen Angelegenheiten. Auch die Militärseelsorge bietet persönliche Gesprächsmöglichkeiten.
10
Sollte ich vor dem Dienstantritt eine Trennung erwägen, nur weil die Grundausbildung beginnt?
Nein. Der Dienstantritt allein ist kein Grund, eine Beziehung grundsätzlich infrage zu stellen. Wenn bereits konkrete schwerwiegende Probleme bestehen, solltet ihr diese unabhängig von der Bundeswehr ehrlich besprechen.
Quellen zum Nachlesen
Bundeswehr: Vereinbarkeit von Familie und Dienst – Die Bundeswehr erläutert, welche besonderen Anforderungen der Dienst an Partnerschaften und Familien stellen kann und welche Unterstützungsangebote bestehen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Sozialdienst der Bundeswehr – Der Sozialdienst berät aktive und ehemalige Bundeswehrangehörige sowie ihre Familien in sozialen Angelegenheiten und bietet auch psychosoziale Unterstützung.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Der Sozialdienst stellt sich vor – Die Seite erklärt Zielgruppen, Beratungsformen, Verschwiegenheit und die bundesweiten Anlaufstellen des Sozialdienstes.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Betreuung und Fürsorge – Die Übersicht bündelt Unterstützungsangebote für Soldatinnen, Soldaten und ihre Familien, darunter Sozialdienst und Familienbetreuung.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Militärseelsorge – Die Militärseelsorge bietet Soldatinnen und Soldaten Gespräch und Begleitung bei persönlichen und dienstlichen Belastungen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Informationen vor der Heimatschutzausbildung – Die aktuelle Seite bündelt Informationen für angehende Rekrutinnen und Rekruten zum Dienstantritt und zu den ersten Ausbildungswochen.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Bundeswehr: Packliste für die Grundausbildung – Die offizielle Packliste nennt unter anderem Smartphone und Ladegerät für den Dienstantritt.
bundeswehr.de
bundeswehr.de
Wie viel Kontakt und gemeinsame Zeit während der Grundausbildung tatsächlich möglich sind, hängt von Einheit, Standort, Ausbildungsabschnitt, Entfernung und deinem konkreten Dienstplan ab. Dieser Artikel gibt deshalb keine Garantie für bestimmte Telefonzeiten oder freie Wochenenden. Bei ernsthaften familiären, partnerschaftlichen oder psychosozialen Belastungen kannst du dich nach deinem Dienstantritt unter anderem an den Sozialdienst der Bundeswehr oder die Militärseelsorge wenden.
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